Ausgabe 208

Arbeiten in Tel Aviv

Pulsierend, kosmopolitisch und verrückt-kreativ: In Tel Aviv, der israelischen Metropole am Mittelmeer, steppt mit seiner Weltenküche nicht nur kulinarisch der Bär. Die Stadt bietet viele Verlockungen für Expats – Wenn man es sich leisten kann.

Text: Daniela Almer     Fotos: Kolarik, Zepra, Anatoly Michaello, Claudio Martinuzzi, Amit Giron, Haim Yosef, Daniel Lailah, Shutterstock

C’est l’ Aviv …

… ist das gelebte Motto in New Yorks kleiner Schwester am Mittelmeer, Tel Aviv. Mit durchschnittlich 8,9 Sonnenstunden täglich im Jahr, dem kilometerlangen Strand vor der Haustür, dem Ruf als Partyhauptstadt des gesamten Nahen Ostens und einer enormen kulinarischen wie gastronomischen Vielfalt bietet die Stadt für Expats die Erfüllung des (Israeli) Way of Life.

Arbeiten in Tel Aviv

„Tel Aviv ist laut, hektisch und dynamisch. Es ist eine Stadt für junge Leute und Junggebliebene“, erzählt die Wiener Multigastronomin Haya Molcho lachend, die erfolgreich ihr Neni-Familien-Imperium in Europa als Marke etabliert hat und ihre Heimatstadt fünfmal im Jahr besucht.

Aber Israel gilt ohnehin als Besuchermagnet. Laut einer Publikation des Israelischen Statistischen Büros pilgerten 2016 3,1 Millionen Touristen aus aller Welt ins Heilige Land, fast die Hälfte davon reiste nach Tel Aviv. Keine Frage, neben der Hochtechnologie, dem Finanzsektor, der Textil- und Nahrungsmittelindustrie spielt der Tourismus für die Wirtschaft Tel Avivs eine zentrale Rolle.

Das heißt, die Jobchancen in der Gas­troszene sind hier richtig gut. Darum verwundert es umso mehr, dass man in der Tel Aviver Gastronomie und Hotellerie kaum Europäer antrifft. Dabei ist die Stadt der Schmelztiegel für internationale Kulinarik, bei dem jeder für sich das Beste herausholen kann.

Denn die meisten Bewohner Israels stammen von jüdischen Einwanderern ab (die Araber stellen lediglich 20 Prozent der israelischen Bevölkerung), die seit über einem Jahrhundert aus allen Teilen der Welt ins Land migrierten. Und mit ihren europäischen, asiatischen, amerikanischen und afrikanischen Kulinarik-Wurzeln die ursprünglich reduzierte israelische Küche, die sehr stark auf Gemüse basierte, kreativ beeinflussten.

Wer sich in Tel Aviv bewirbt, muss also tolerant und aufgeschlossen gegenüber anderen Kulturen und Sprachen sein. In Israel leben nämlich mittlerweile 8,6 Millionen Menschen unterschiedlicher Herkunft, knapp 433.000 zählt allein Tel Aviv, das gerade mal über eine Fläche von 70 Quadratkilometern verfügt.

Einer der Gründe, warum das Leben in der Mittelmeerstadt teuer ist und für europäische Expats wenig attraktiv erscheint. Für kleine Apartments mit einem bis maximal zwei Zimmern muss man mit 1000 Euro Miete monatlich und mehr rechnen. Wer günstiger leben will, muss in Orte außerhalb Tel Avivs ziehen, die aber etwa eine bis eineinhalb Autostunden entfernt liegen.

29.06.2017