Ausgabe 210

MEATLiquor: Meat-Mission

Was als Street-Food-Truck begann, ist heute eine der erfolgreichsten Restaurantgeschichten in UK und mischt die Casual-­Dining-Szene mit seinem „Guilty Pleasures Fast Food“-­Konzept auf.

Text: Andrew Fordyce     Fotos: Cedar Photography (UK), Andrew Fordyce

Leben auf der Überholspur

Blur – verschwommen. So erscheint Yianni Papoutsis. Wie ein Speedy Gonzales blitzt er aus dem Nichts auf und verschwindet wieder. Nicht zu packen. Was bleibt, ist der Eindruck von Bewegung. Kein klares Bild. Aber das einprägsame Gefühl von Energie. Yianni Papoutsis ist geballte, ungebremste Energie. 

So verschwommen seine Existenz, so verschwommen ist seine Vergangenheit. Es geht die Geschichte um, er sei bei Palikaris, griechischen Partisanen, groß geworden. Dazu viele Geschichten mehr. Wie die, er habe jahrelang als Techniker am Theater und der Oper gearbeitet. Natürlich, wo sonst? Ein fantastischer Einstieg für das Drehbuch einer herausragenden Erfolgsstory. Sie gewinnt Drive, als er 2009 in South London mit einem Burger-Truck auftaucht.

Aus dem MEATwagon sind mittlerweile 13 MEATliquor-Restaurants geworden – and more to come. Wie? Mit unfassbarer Energie und Leidenschaft!

Wie aus einem Movie

Es hatte etwas von „From Dusk till Dawn“. Mit einer Handvoll Drachmen verschwindet Papoutsis in die Wüste Nevadas. Es ist eine „fuckin dark“ Zeit in seinem Leben.

Folgt man seiner Überzeugung, dass „in Widrigkeiten der Ursprung von Kreativität liegt“, war sie auch eine seiner besten. An dem filmreifen Platz im Nirgendwo hackt er für das Set aus einem Überschuss aus Fleisch einen Burger zusammen, der die Crew vom Hocker reißt und die Grundidee für seine Hälfte des MEATliquor-Konzeptes liefert: Basic-Soul-Food, ungepanschtes, pures Fleisch und purer Geschmack. Damit steigt eine Idee wie Phoenix aus der Asche und verschwindet Yianni-like so schnell, wie sie gekommen ist ...

... bis sie 2010 aufpoppt und er sie in Form des MEAT­wagons realisiert. Der MEATwagon steht dort, wo Papoutsis seine Kunden sieht. In verkommenen Industriegebieten brät er seine Burger meist an illegalen Standplätzen wie Peckham Car Park für die hart arbeitende Klasse, die vor nine und nach five was Ordentliches zu essen braucht.

Bald findet die Qualität des Essens über die avisierte Klientel hinaus weitere Jünger, die erst dem Klang japanischer Kriegstrommeln und dann den Tweets via Twitter folgen. Er ist einer der Ersten, der Flashmobs für die Street-Food-Szene veranstaltet und den Wert sozialer Medien erfasst. Damit lockt er auch Sauberleute in die verruchten Areale Londons, die sich verzückt über das Basic-Food vom Feinsten hermachen.

Marketingtechnisch ein Geniestreich: viel Publikum für wenig britische Pfund. Doch auf das Up folgen Downs: Innerhalb eines Jahres verliert er einen Wagen an Diebe, den zweiten an Vandalen. Klappe zu!

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10.08.2017