Ausgabe 212, Porträts

Andreas Caminada: Der Royal unter den Köchen

Er rockt den Hochadel der europäischen Kochszene: Wie 3-Sterne-Koch Andreas Caminada vom Schloss Schauenstein seine Gäste mit universellen Sinnesreisen flasht, jungen Talenten die Chance ihres Lebens bietet und das gastronomische wie literarische Pflaster aufmischt.

Text: Daniela Almer     Fotos: Helge O. Sommer, Schloss Schauenstein

Kulinarik der Königsklasse

Ein Schlossherr, der selbst kocht? Wo gibt’s denn so etwas? In den Schweizer Alpen, genauer gesagt in Fürstenau, in der mit knapp 300 Einwohnern kleinsten Stadt der Welt.

Aber der hier seit 15 Jahren wirkende 3-Sterne-Kapazunder Andreas Caminada, der zur absoluten Kochelite Europas zählt – und so ganz nebenbei auch problemlos als Posterchild für High-Fashion-Magazine durchgehen könnte –, muss nicht kochen, sondern will, weil es einfach seine ureigenste Passion ist. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, den seine immense Gäste-Fanbase zu schätzen weiß.

So sehr, dass Caminadas Schloss Schauenstein, das ein Fine-Dining-Restaurant, Hotel und ein Tavelada-Konzept beherbergt, immer Monate im Voraus ausgebucht ist.

Das Geheimnis seines Erfolges? Caminada entführt seine Gäste auf eine allumfassende Sinnesreise. Das fängt bei der barocken Schlossatmosphäre an, geht über die modern-gemütliche Inennausstattung, die mit liebevollen Details ausgestattet ein besonderes Flair erzeugt, bis hin natürlich zur grandiosen Kulinarik.

Das Tüpfelchen auf dem i bildet vor allem sein hoch motiviertes, junges Team, konstatiert der Küchenvirtuose bei den CHEFDAYS in Berlin: „Es ist nicht ein Leader an der Front, sondern viele kleine Top-Gastgeber, die den Aufenthalt bei uns noch mal verfeinern. Es ist die Balance zwischen hoher Professionalität und einer gewissen Lockerheit. Einer Leidenschaft, die auch auf den Gast überspringt. Das ist unsere Stärke.“

Caminada ist Teamplayer durch und durch, Arroganz oder gar Starallüren sind ihm fremd. Dabei könnte er beides haben, wenn er nur wollte. Der 40-Jährige sammelt Auszeichnungen, wie andere in ihrer gesamten Berufslaufbahn Kochjacken verschleißen: Mit 33 Jahren war Caminada Europas jüngster 3-Sterne-Koch, daneben hält er beständig 19 Punkte im Gault Millau. Er wurde unter anderem von verschiedenen Restaurantführern – wie auch von Gault Millau – bereits mehrfach als „Koch des Jahres“ geadelt, schaffte 2011 den „Highest New Entry Award“ in der The-World’s-50-Best-Restaurants-Liste, wo der Spitzenkoch seitdem konsequent gerankt ist (aktuell als Nummer 72), und erhielt letztes Jahr den Eckart-Witzigmann-Preis für „Große Kochkunst“. Und ziemlich sicher more to come.

Aber von nichts kommt auch nichts. Andreas Caminada hebt sich kulinarisch durch seinen unglaublich filigranen, ungekünstelten und handwerklich perfekten Stil von der breiten Masse ab.

Seine Küchenphilosophie definiert der 3-Sterne-Koch wie folgt: „Wir spielen mit den Konsistenzen, mit dem Säure- und Fruchtspiel, mit verschiedenen Kocharten und so weiter. Es sind auch nur maximal zwei bis drei Produkte, die wir integrieren. Ich bin sehr fokussiert auf das, was es ist – es muss gschmackig und lecker sein.“

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21.09.2017