Ausgabe 213, Porträts

Bernd Pulker: Der Andersartige

Bernd Pulker ist Spitzensommelier und Heurigenwirt, Visionär und Klischee-Verweigerer, laut, leidenschaftlich und ganz generell alles außer Lo-Fi.

Text: Stephanie Fuchs     Fotos: Claudio Martinuzzi, Steve Haider

Den niederländischen Touristen in Radlerhosen, die zur Rudelbildung im Gastraum ansetzen, weist Bernd Pulker freundlich den Weg vor die Türe und zur Tafel, auf der steht: Geöffnet ab 14:00 Uhr. 

„Aber ihr könnt’s euch gern in den Garten setzen und warten!“, ruft er den leicht irritierten Niederländern hinterher, lacht das scheppernde Lachen eines kollabierenden Küchenregals und fläzt sich auf die Eckbank im Extrazimmer dieser Rührsdorfer Guerilla-Schänke namens Pulker’s Heuriger am selten massengefluteten rechten Wachauer Donauufer, die Bernd Pulker lieber „Buschenschank“ nennt. 

Bernd Pulker sitzt mit zusammengelegten Händen in seinem Heuriger und schaut nach oben.

Weil bei ihm nur Kaltes aus der Küche komme, erstens, und zweitens, weil dem Wort „Heuriger“ dieser Geruch von Wiener Schickimicki anhafte. 

„Schnöselpartien gibt’s bei mir nicht. Auch keinen Zweiertisch. Bei mir heißt’s zamsitzen, der Gewerkschaftspräsident neben dem Bauarbeiter, fertig, und wenn das einem nicht passt, kann er wieder gehen.“ 

Die Zeit, nachzufragen, wie viele Gäste er durch diese Bewirtungsmaxime schon vergrault hat, bleibt nicht. Pulkers Sätze kommen maschinengewehrsalvenartig, peng, zack, thematisch nicht immer artverwandt, trotzdem: eine einnehmende Gesprächsachterbahnfahrt. 

„Schau, den Promi treibt ja nicht nur der Hunger oder der Durst da her zu mir“, sprudelt es aus ihm, „sondern die Sehnsucht, dass er wie ein ganz normaler Mensch behandelt wird. Verstehst? So, was anderes jetzt … Veltliner Zweifünfzehn. Kosten! Dazu gibt’s nachher den Schweinsbratl­salat vom Tim Raue, der ist so gut, da glaubst, du spinnst.“

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12.10.2017