Ausgabe 215

Bee my honey

Seit Jahrtausenden ist das flüssige Gold heißbegehrt. Sternekoch Christian Krüger erklärt jetzt, wie nachhaltig Honigkonsum heute sein kann.

Text: Mia Schlichtling     Fotos: Steffen Walter

Über das Bienensterben wird seit Langem diskutiert. Immerhin hat sich die Population seit dem Zweiten Weltkrieg von insgesamt 2,5 Millionen Bienen in Deutschland auf dramatische 600.000 dezimiert. Einer, der nicht nur darüber redet, sondern aktiv anpackt, um der drohenden Umweltkatastrophe entgegenzuwirken, ist Christian Krüger. Der Ausnahmekoch, der Deutschland 2014 beim Bocuse d’Or repräsentierte und das Gourmetrestaurant Axt zum Stern brachte, ist heute Leiter des Target Group Management für Gastronomie bei METRO. Seit drei Jahren geht er einer besonderen Leidenschaft nach: Er widmet sich privat als Imker seinen 20 Kästen voller fleißiger Bienen.

 

Doch bevor er so weit war und sich die summenden Nutztiere – immerhin nach Schwein und Rind das drittwichtigste in Deutschland – anschaffte, bereitete er sich sage und schreibe ein ganzes Jahr auf diese verantwortungsvolle Aufgabe vor. „Ich bin tief enttäuscht, wie viele Leute sich erst Bienen kaufen und dann informieren. Leider fehlt eine Art Angelschein für Imker. Daher kursieren unter Hobbyimkern noch viele Fehl­informationen“, schildert er die Situation. Durch die effizienten Kommunikationskampagnen gegen das Bienensterben haben sich immer mehr Hobbyimker ein Herz gefasst und erwerben ein oder mehrere Bienenvölker.

Leider mit fatalen Folgen: Neben Pestiziden und Parasiten trägt die falsche Handhabung der Tierchen durch wohlwollende Imker nicht unerheblich zu ihrem Rückgang bei. „Es ist inzwischen zu einer Art Trendsport geworden, eigene Bienen zu haben. Die Ausbildung bleibt dabei aber immer wieder auf der Strecke, sodass die Imker sich oft verloren fühlen“, so Krüger. In Kooperation mit METRO hat er daher ein Pilotprojekt ins Leben gerufen: einen Bienenpark mit gleich acht Bienenkästen etwa 100 Meter vom Parkplatz des METRO-Stores in Krefeld. Dazu hat er auch eine ganze Bandbreite an Trachtpflanzen gesetzt, denn auch die fleißigen Bienen benötigen entgegen dem weitverbreiteten Irrglauben nicht vorrangig Raps, sondern eine abwechslungsreiche Diät, um nicht anfällig für Krankheiten zu werden.

Erstaunlicherweise ist daher das Urban Farming mit Bienen durchaus sinnvoll: Im Gegensatz zur von Monokulturen gekennzeichneten Landwirtschaft bietet sich hier eine bunte Vielfalt an Blüten als Nahrungsmittel in Gärten, Friedhöfen und Parks. Noch dazu finden im städtischen Umfeld keine Pestizide Einsatz, welche der Hauptverantwortliche für den drastischen Rückgang ist. Ausgerechnet die USA scheinen hier eine Vorreiterrolle einzunehmen: „Ich war ganz überrascht, gleich neben der Freiheitsstatue in New York vier Bienenstöcke zu sehen“, schmunzelt Krüger. Selbst in der pulsierenden Großstadt ist also nicht nur Platz für diese Projekte – sie machen hier durchaus auch Sinn.

Aber zurück nach Krefeld: Hier können Hobbyimker verschiedene Lehrgänge besuchen und lernen den richtigen Umgang mit den Tieren. Zum Beispiel wird erklärt wie bei parasitärem Befall durch die gefürchtete Varroamilbe die Bienen mit der richtigen Dosis Ameisensäure zu behandeln sind. Die Imker werden kontinuierlich Der regional produzierte Honig erfüllt daher höchste Qualitätsstandards und garantiert eine ideale Behandlung der Bienen. Da ist es kein Wunder, dass im Testverkauf, bei dem die Kunden den Preis für den so produzierten Honig selbst festlegen konnten, viele bereit waren, fünf, zehn oder sogar 20 Euro für 250-Gramm-Gläser auszugeben.

Hat das Projekt denn auf dem Markt eine Chance? Regional produzierter Honig macht durchaus Sinn, denn aktuell kann Deutschland den Eigenbedarf an Honig nicht mehr abdecken. Ganze 80 Prozent werden aus dem Ausland importiert, was einem enormen Wachstumspotenzial entspricht. Immerhin liegt der jährliche Honigkonsum pro Person im Jahr bei stolzen eineinhalb Kilo.

Ab 2018 wird der so von regionalen Hobby­imkern produzierte Honig nach idealer Schulung und optimaler Betreuung der produzierenden Imker erstmals mit einer exklusiven Linie im METRO-Store verfügbar sein. Insbesondere für Köche, die nach neuer Inspiration suchen, lohnt sich der Besuch der Bienenparks. Denn nicht nur aus dem Honig lassen sich erstaunliche Gerichte kreieren, auch das Wachs kommt immer häufiger, zum Beispiel im Aperitif als eine Art Kaugummi, zum Einsatz.

24.11.2017