Ausgabe 216, Porträts

Clare Smyth: Gordon Ramsays Ex

2017 hat sich die in Großbritannien als „Queen of Cuisine“ gefeierte Küchenchefin Clare Smyth aus dem Schatten Gordon Ramsays gelöst. Warum sie sich mit ihrem Londoner Restaurant Core selbständig gemacht hat, welche Rolle eine Kartoffel in ihrer Küche spielt und Warum Pferde ihrer Karriere hätten gefährlich werden können.

Text: Daniela Almer     Fotos: John Carey, beigestellt

Es gibt einen großen Unterschied zwischen seiner TV-Persönlichkeit, wie man sie besonders im amerikanischen, sensationsheischenden Fernsehen zu sehen bekommt, und seiner privaten Seite beziehungsweise dem, wie er ist, wenn man mit ihm zusammenarbeitet!“ – Auf ihren nunmehrigen Ex-Chef und noch immer Mentor Gordon Ramsay lässt Clare Smyth definitiv nichts kommen.

Und das nicht ohne Grund: „Wenn er privat wirklich so wäre wie in den Fernsehshows, hätte keiner so lange mit ihm gearbeitet“, springt die Küchenkoryphäe für Ramsay in die Bresche. Klingt einleuchtend. Vielleicht hat die sympathisch-bodenständige Clare Smyth aber auch nur ein dickes Fell. Das muss man haben, wenn man als erste und bislang einzige Küchenchefin in Großbritannien jahrelang drei Michelin-Sterne gehalten hat.

Aber auch der TV-wirksame Parade-Choleriker Ramsay streute seiner loyalen, rampenlichtscheuen Kollegin in einem offiziellen Statement Rosen, als im Herbst 2015 bekanntgegeben wurde, dass die zuletzt als „Chef-Patron“ betitelte Smyth die Dependance seines Restaurants Gordon Ramsay im Londoner Stadtteil Chelsea mit 2016 verlässt, um sich mit ihrem Herzensprojekt Core selbstständig zu machen: „Clare ist zweifelsohne eine der größten Küchenchefinnen, die je meine Küche geziert haben, und hat sich zudem zum prominentesten weiblichen Küchenchef unserer Generation gemausert.

Im Galopp an die Spitze

Man kann von Glück reden, dass Smyth in der Gastronomie gelandet ist und sich nicht für ihre berufliche Alternative als Springreiterin entschieden hat. Die gebürtige Nordirin wuchs nämlich auf einer Farm auf, wo ihre Familie noch heute Pferde hält. Viele erfolgreich gewonnene Wettbewerbe in dieser Sportdisziplin machten jedoch nicht ihre Liebe zur Gastronomie wett.

Schon als Teenager half die heute 39-Jährige in lokalen Restaurants aus, durch Treffen mit Küchenchefs und ein kulinarisches Selbststudium in Form von Kochbüchern sei sie auf natürliche Weise in diesen Berufszweig schließlich hineingewachsen, erzählt sie, und ergänzt: „Mein Umfeld meinte immer, dass ich es einmal zur Küchenchefin bringen würde. Ich habe es ihnen nicht geglaubt, bis mir eines Tages klar wurde, dass ich es tatsächlich schaffen könnte.“

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11.01.2018