Ausgabe 219, F&B Know-how

Hipchips: Kartoffelscheiben neu entdeckt

Von Wegen Couch-Potato: Das Team von HipChips zeigt, was man aus einer Kartoffel so Alles rausholen kann.

Food-Trends werfen oft einen langen Schatten. Der neue heiße Scheiß verdrängt gern mal alte Klassiker von ihrem Platz an der Sonne. So geschehen im Fall von unseren ehemals liebsten Couchgenossen: den guten alten Chips. Wenig Chance zum Glänzen hatten Pringles und Co. in den letzten Jahren neben Clean-Eating-Fanatismus und einhergehender Verteufelung von Kohlenhydraten. Da hörten langsam die Sackerl auf zu rascheln und die Chips auf zu krachen.

Zum Glück haben sich der Engländer Tim Sutton und der Waliser Scott Davis der Sache mit ihrem Unternehmen in London angenommen. In der Old Compton Street – einer der Hauptschlagadern des kulinarisch beliebten Stadtteils Soho – haben sie mit Hipchips einen Tempel für die frittierten Kartoffelscheibchen eröffnet und sie dabei vom traurigen Fernsehfutter zum eigenständigen Gourmethäppchen veredelt. Scott Davis ist der Küchenchef und zuständig für die Kreation der durchwegs ausgefallenen Dips, welche die Hipchips begleiten.

 

Der Waliser sammelte davor schon Erfahrungen in den Küchen von Providores, Mirabelle und Fifty St James. Tim Sutton ist Betriebsleiter und machte schon im Chip+Fish sowie im DucknRoll Erfahrung mit Fast-Food-Unternehmen. Die beiden sahen eine Marktlücke für ihr Chipskonzept und eröffneten im Herbst 2017 Hipchips in London.

Sweet Heaven

Die beiden jungen Unternehmer verwenden natürlich nicht irgendwelche Kartoffeln für ihre Chips: Es handelt sich um Sorten, die eine lange Tradition haben und im Norden Englands auf Carrol’s Farms angebaut werden, mit fantastischen Namen wie Red Duke of York, Highland Burgundy, Pink Fur Apple oder Red Emmalie. Statt in fadem Gelb, erstrahlen diese Kartoffeln in Nuancen von Purpur über Violett bis beinahe Schwarz und unterscheiden sich natürlich auch geschmacklich.

Tim Sutton beim Verkosten

Die Kartoffeln werden dann direkt vor dem Kunden geschnitten und frittiert. Hat man sich erst mal für die richtige Kartoffel entschieden, hat man zunächst grundsätzlich die Wahl zwischen süß oder salzig. Wer sich für süß entscheidet, bekommt die Chips mit Zimt und Zucker serviert, sonst klassisch mit Salz. Der wichtigste und spannendste Teil folgt im nächsten Schritt: Welche Sauce darf es denn sein?

Salty Hell

Tim und Scott haben sich bei ihren Dips von Reisen um die Welt beeinflussen lassen. Deshalb haben einige davon auch einen internationalen Touch: Wer sich für die salzigen Chips entschieden hat, kann diese zum Beispiel in eine cremige Curry-Sauce, Baba Ghanoush, vegetarisches Ceviche oder marokkanisches Joghurt mit Tajin, Limone und Honig eintunken.

Hipchips in Häufchen portioniert

Chef Scotts persönlicher Favorit ist der Dip mit Roter Bete und Zitronengras. Tim dagegen ist ein großer Fan von der Sauce mit Starkbier und Käse – ein Spezialangebot zum St. Patrick’s Day. Wer sich für die süßen Chips entschieden hat, wählt zwischen Dips wie Erdnussbutter mit Marmelade, Marshmallows mit Schokolade, Cheesecake oder gesalzenem Karamell mit Schokolade.

Laufend versuchen sich die beiden Chefs an neuen Saucen und laden dazu auch gerne mal Freunde zum Vorkosten und Beratschlagen ein. Je nach Größe kostet die Portion zwischen fünf und 13 Euro und wird mit zwei bis sechs Dips in einem hübsch und hip designten Pappkarton serviert. Seit der Eröffnung läuft es gut für Tim und Scott. Ihr Team besteht mittlerweile aus zehn Personen und pro Monat gehen rund zwei Tonnen Kartoffeln bei ihnen über den Tresen.

Deshalb ist auch die Möglichkeit, ein zweites Franchise zu eröffnen oder zu expandieren, nicht allzu abwegig, wären die Mieten in London nicht gar so hoch. Momentan sind die beiden aber einfach froh, dass sie Chips wieder den Platz in unseren Herzen einräumen konnten, den sie ganz offensichtlich verdienen.

www.hipchips.com

 

 

15.03.2018