Ausgabe 219, Porträts

Roland Trettl: Mein größter Fehler

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Roland Trettl.

Text: Andrea Böhm     Fotos: HELGE KIRCHBERGER Photography

Roland Trettl hat mit Top-Köchen der Welt zusammengearbeitet, war vier Jahre lang Küchenchef im Restaurant Ca’s Puers auf Mallorca und Execu­tive Chef im Restaurant Ikarus im Hangar-7. 2015 erschien sein Buch „Serviert“, in dem er sich kein Blatt vor dem Mund nimmt und tief in der Kochtöpfe der Kollegen blicken lässt.

Was also erwartet man, wenn man den Südtiroler nach seinem größten Fehler fragt? Auf jeden Fall keine Antwort, die dem Mainstream entspricht. Es beginnt damit, dass der Mittvierziger mit Blick in seine berufliche Vergangenheit gar nicht von Fehlern sprechen würde. „Alles, was man tut, solange man niemanden wehtut, ist kein Fehler.

Roland Trettl

Für mich sind das alles positive Erfahrungen.“ Und so steht innerhalb kürzester Zeit fest: Dies wird kein Gespräch über Fehler, sondern über Lernprozesse. Und damit eines auch gleich klar ist: „Ich sage nur, wie’s mir geht. Ich muss keinen Tipp abgeben.“ Angesprochen auf seine cholerische Mallorca-Zeit beginnt er dann doch zu überlegen und kurz kommt Bedauern auf: „Für diese Zeit verabscheue ich mich selbst“, sagt er prompt, wirft aber den Fokus sofort wieder auf die Gegenwart: „Wenn ich heute mit Mitte vierzig gleich wäre wie damals mit Mitte zwanzig, dann hätte ich keinen Lernerfolg.“

Daraus resultierend sieht er es nicht als Fehler. „Ich glaube, es war eher notwendig, um mich dahin zu entwickeln, wo ich jetzt stehe. Beweis für ihn sind seine ehemaligen Partner in der Küche, mit denen er auch heute noch einen engen Kontakt pflegt: „Wir freuen uns, wenn wir uns sehen. Also kann der Fehler nicht so groß gewesen sein, wenn ich sie nicht vergrault habe.“

Abgesehen von dieser Episode gibt es doch etwas, was den Südtiroler zeitlebens begleitet und bewegt. „Ich bin ja ein sehr emotionaler Mensch und unfassbar sensibel“, erzählt er. Solchen Menschen passiert es dann auch leicht, Dinge an sich zu nahe ranzulassen. Ein Umstand, der für ihn viele Jahre zurück ein wirkliches Problem war. So hat es sich zugetragen, dass in seinem Restaurant zum Beispiel 50 Gäste waren. 48 davon waren total happy, nur ein Zweiertisch war unzufrieden.

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15.03.2018