Ausgabe 221

Die Legende vom Hotel Adlon

Heute wie damals: Das Hotel Adlon ist eine lebende Legende. Alles über die Geschichte des prestigereichen Hauses im Herzen Berlins.

Fotos: Hotel Adlon Kempinski

Es war in Berlin im Oktober 1907: Am Prachtboulevard Unter den Linden eröffnet ein Hotel, das bis heute Teil der Historie der Stadt an der Spree sein wird. Dort hat die unvergleichbare Erfolgsgeschichte des Geschäftsmannes Lorenz Adlon begonnen. Und auch hundert Jahre später lebt der Mythos.

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Lorenz Adlon hatte eine Vision: Er wollte ein Hotel der Superlative schaffen, eines, das die Standards der Hotelindustrie der Zukunft setzen soll. Er investierte zwei Jahre und 20 Millionen Goldmark, umgerechnet rund 350 Millionen Euro, in den Bau des Hotels, das auch heute noch seinen Namen trägt.

Am 23. Oktober 1907 wurde das Haus eröffnet, das zu seiner Zeit wie kein zweites ausgestattet war: Die Gäste erwartete fließend warmes Wasser, ein Kühlungssystem, elektrischer Strom und Licht aus speziell für das Hotel hergestellten Glühbirnen. Schon nach kurzer Zeit galt das Adlon als eines der schönsten Hotels der Welt. Die Architektur des Baus mit ihren klassizistischen Linien und Elementen des Jugendstils, die künstlerische Gestaltung und die technische Perfektion des Komplexes wurden weltweit gelobt.

Das nur einen Steinwurf vom Brandenburger Tor entfernte Hotel wartete nicht nur mit einem Café, einem Restaurant, einer riesigen Lobby und einer Lounge auf, es gab auch eine Bibliothek, einen Rauchersalon, einen Wintergarten, Konferenzräume und einen prachtvollen Ballsaal.

Hochrangige Unterstützung

Doch auch Lorenz Adlon hat einmal klein angefangen: Der gebürtige Mainzer führte Lokale und Kaffeehäuser in mehreren deutschen Städten, bevor er sich in der Hotellerie versuchte. Der damalige deutsche Kaiser Wilhelm II. wurde auf Adlons Pläne für ein Hotel der Extraklasse aufmerksam und unterstützte ihn bei seinem Vorhaben. Es ging sogar so weit, dass der Kaiser das Haus als einen seiner Paläste betrachtete und verlangte, dass bei der Eröffnung kein Gast vor ihm einen Fuß in das Hotel setzen durfte. Er zahlte später jährlich umgerechnet rund 75.000 Euro, um bei Bedarf jederzeit Zimmer für sich und seine persönlichen Gäste zur Verfügung zu haben.

Nicht nur der Kaiser, sondern jeder, der Rang und Namen hatte, ließ sich im Hotel Adlon sehen. Das Haus entwickelte sich zu einem der beliebtesten Treffpunkte Berlins für Adelige, Diplomaten, Politiker, Schauspieler und Künstler. Wirft man einen Blick ins Gästebuch, finden sich dort Namen wie Albert Einstein, Charlie Chaplin, Marlene Dietrich, Thomas Mann und Franklin D. Roosevelt.

Auch während des Zweiten Weltkrieges blieb das Hotel geöffnet und beinahe unbeschadet. Trotz Knappheiten und anderen Problemen, die der Krieg mit sich brachte, konnten die hohen Standards gehalten werden. Kurz nach Ende des Krieges brannte das Gebäude jedoch bis auf die Grundmauern nieder – das Hotel Adlon gab es somit nicht mehr.

Unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung kaufte die Fundus Gruppe das Gelände des historischen Adlon und errichtete in Anlehnung an den Vorgängerbau ein Hotel um stolze 245 Millionen Euro. Das neue Hotel Adlon Kempinski, das den klassischen Stil seines Vorgängers widerspiegelt, wurde nach zweijähriger Bauphase im August 1997 eröffnet.

Heute ist das Hotel nicht weniger prestige reich als vor hundert Jahren: Das 5-Sterne-Haus ist eines der bekanntesten und luxuriösesten Hotels Deutschlands und hat auf sechs Etagen über 380 Zimmer und Suiten, zwei Restaurants und knapp 500 Angestellte. Das Adlon ist heute wie damals Treffpunkt für Staatsoberhäupter, Politiker, Künstler und Unternehmer aus aller Welt – der Dalai Lama, Queen Elizabeth, Bill Clinton und Michael Jackson sind nur einige der berühmten Gäste.

„Wir faszinieren Gäste. Seit 1907.“ lautet ein Slogan des Hotels heute. Und das ist Programm.

www.kempinski.com/Adlon/Berlin

26.04.2018