Ausgabe 221

George Kastner: Die perfekte Welle

Sein Ziel war es, Direktor eines Luxushotels zu werden. Doch ein paar glückliche Umstände machten ihn zum Lieferanten Nummer eins von Luxusprodukten für die Spitzengastronomie. Und das In einer Zeit, in der man Google noch nicht einmal schreiben konnte.

Text: Andrea Böhm     Fotos: beigestellt

Vor 40 Jahren sah alles noch anders aus

Man schrieb das Jahr 1979 als George Kastner Dampf in den Rungis Express brachte. Geht nicht, gibt’s nicht, war sein Motto, obwohl die Hürden viel höher waren als heute und der Weg viel beschwerlicher. Heute ist der 74-Jährige im ungewollten Ruhestand, vermisst seine sechs oder sieben Tage Woche und den 18 Stunden Tag.

Geht nicht, gibt’s nicht: George Kastner war keine Heraus- forderung zu groß, wie dieser Taschenkrebs aus Kanada.

Herr Kastner, Sie blicken ja auf ein ereignisreiches berufliches Leben zurück. Wie hat alles begonnen?
George Kastner: Ich lernte per Zufall Karl-Heinz Wolf kennen, der in Bonn ein Restaurant, das Chez Loup, hatte. Meine Freundin und ich waren in Frankreich auf Urlaub. Wir haben miteinander nur Französisch gesprochen, weil sie kein Deutsch konnte. Eines Tages sitze ich an der Hotelbar und lese die Bild-Zeitung, da kommt Wolf vorbei und fragt verwundert: „Sie sind Deutscher?“ Ich: „Ja, das ist ja nicht verboten, oder?“ So kamen wir ins Gespräch. Später habe ich ihn in Bonn in seinem Restaurant besucht und da haben wir unsere Zusammenarbeit beschlossen. Natürlich brauchten wir auch einen Namen. Wir kauften in Rungis ein, schnell muss es gehen, also Rungis Express. Voilà! RE, für Rungis Express, Eiffelturm mittendrein – fertig war das Firmenlogo. Es ging also los. 

Wie kann man sich das vorstellen? 
Kastner: Ich bin dann zwei Mal pro Woche nach Paris gefahren und habe eingekauft. Aus früheren Zeiten habe ich einige gekannt, die von der Idee begeistert waren. So sind wir mit ein paar Autos durch die Gegend gefahren, zuerst mit zwei, dann mit drei und so weiter.

Und dann wurde auch die Presse auf Sie aufmerksam? 
Kastner: Ja. Klaus Besser war der Erste, der über Restaurants berichtete. Andere Zeitungen haben das dann auch gemacht und so hat zwischen den Restaurants der Wettbewerb begonnen. Wir waren zu dieser Zeit der richtige Lieferant, weil sonst die Produkte nicht da gewesen wären.

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26.04.2018