Ausgabe 221

Ode an die Sauce

Die liebe Sauce – ewiger Adabei oder doch Protagonistin, die hier einmal ihre ganz persönliche Meinung auf Papier und Teller bringt.

Text: Nina Wessely     Fotos: Claudio Martinuzzi

Eine Ode! An mich? Wirklich? Dass es so was gibt. Damit habe ich echt nicht mehr gerechnet. Immerhin ist es schon Tausende Jahre her, seit ich als umami-vollgepumptes Garum über Fisch und Fleisch der Römer geronnen bin und Apicius davon so angetan war, dass er gleich ein Buch darüber verfasst hat. Das erste Kochbuch der Welt. 

Das hatte zwar viele Oden an Apicius zur Folge, aber auf mich ganz alleine, so ganz ohne feste Konsistenzen am Teller, wird echt selten ein Loblied angestimmt. Dabei … will ich gar nicht prahlen, aber ich spreche 160 Sprachen fließend. Na gut, zugegeben – in einigen Gebieten etwas bröckeliger, in anderen flüssiger.

Kein Quatsch mit Sauce: Das deutsche Wort Soße stammt vom französischen Sauce ab. Dieses wiederum vom lateinischen Salsa, das schlichtweg für „gesalzen“ steht.

Aber dabei bin ich immer. Und ich habe auch tatsächlich etwas beizutragen. Mancher würde sagen, ich bin der Sidekick, der in Wirklichkeit den Ton angibt. Daher fühle ich mich jetzt hier auch etwas aufgedeckt. Ich mag meine Rolle des glitschigen und daher schwer greifbaren Underdogs nämlich. Ich bestimme Aroma, Optik und Geschmack des Gerichts. 

Ich weiß das, und einige meiner treuesten Verfechter wissen das. Der Rest schaufelt mich mit Steinbutt, Wiener Schnitzel (in Deutschland) und Co. auf die Gabel und das ist auch gut so. Dazu bin ich schließlich auch da. Die Souffleuse des Gerichts. Dass ihr mich da jetzt so ins Rampenlicht stellt, da fehlen mir doch glatt die Worte. Aber gut. 

Dann borge ich mir eben die einiger meiner Freunde aus. So wie die von Ricard Camarena, Sternekoch aus seinem gleichnamigen Restaurant in Valencia, Spanien: „Die Sauce ist die Essenz des Produkts“, sagt er über mich und hat dazu gleich wie Apicius, mein alter Freund, ein Buch verfasst.

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26.04.2018