Ausgabe 222, Porträts

Johannes King: Hoch lebe der King

Sylt zu Gast im Restaurant Ikarus: Wie der 2-Sterne-Koch Johannes King zu seinem Söl’ring Hof kam, warum er auf Produkte der Saison steht und welche Speise Sex für seinen Gaumen ist.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Helge Kirchberger Photography / Red Bull Hangar-7, Jan Vincent Kleine/Red Bull Content Pool

Johannes King kann es selbst nicht glauben. „Ich bin jetzt fast 40 Jahre im Dienst“, er räuspert sich, grinst verschmitzt und lässt sich die Worte noch einmal auf der Zunge zergehen: „Ja, im August sind es wirklich 40 Jahre, mit 15 Jahren habe ich die Lehre angefangen.“ Doch seine Erinnerungen reichen noch weiter zurück bis in seine Kindheit. Er ist auf einem Bauernhof im Schwarzwald aufgewachsen und war das letzte von zehn Kindern. 

„Wenn ich heute daran zurückdenke, dann war das ein Paradies. Wir hatten Honig, wir hatten Eier, Schweine, Butter, Sahne. Wie schmeckt eine Sommer- und wie schmeckt eine Winterbutter? Das hat mich sehr geprägt.“ Doch nicht nur diese Erfahrung hat sich ganz tief in Johannes King verankert. Später waren es die Stationen in den verschiedensten Küchen Europas. Da war das Restaurant von Franz Keller in Köln, danach ging es nach Wien zu Karl Schuhmacher in die Konditorei Oberlaa, bis er in Berlin bei Henry Levy gelandet ist. 

„Er war damals gemeinsam mit Eckart Witzigmann der Koch in Deutschland“, erinnert sich der 55-Jährige und erzählt weiter: „Der hat mich sehr geprägt, weil er eine absolute Affinität fürs Produkt gehabt hat. Für die Tiefe eines Produkts.“ Schon damals war King fasziniert davon herauszufinden, wie ein Produkt eigentlich schmecken sollte. Ganz ohne exotischen Pfeffer oder wilde Kräuter. „Da war Henry Levy ein ganz großer Meister darin und ich bin sehr dankbar dafür, dass er es mit mir ausgehalten hat“, sagt King.

Auch René Redzepi streut Johannes King Blumen. „Er ist ein fantastischer Mensch“, meint er und bewundert die Art, wie er an Dinge herangeht. Einzig bei Eckart Witzigmann hat der Spitzenkoch keinen Job bekommen. Gut, dass der Altmeister als Patron im Ikarus in greifbarer Nähe steht und gleich gefragt werden kann, warum. „Er hat mir gesagt, dass ich damals keine Ahnung von Fußball hatte“, sagt King, gefolgt von einem lauten Lachen.

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18.05.2018