Ausgabe 225

Joe Warwick und Andrea Petrini: Die Gourmetrevolution

Mit den World Restaurant Awards sagen die 50-Best-Macher Joe Warwick und Kult-Foodie Andrea Petrini der eingerosteten Gourmet-Szene den Kampf an und ziehen gegen Guide ­Michelin & Co. in den Krieg.

Text: George Desrues     Fotos: Vincent Nageotte 2015, beigestellt

Ob die Welt angesichts all der bereits vorhandenen Lokalführer und Restaurant-Bewertungen tatsächlich noch eine zusätzliche Restaurant-Bestenliste braucht? Eine Frage, die sich naturgemäß aufdrängt, wenn von den neuen Restaurant Awards die Rede ist. „Aber es wird ja eben gar keine Liste!“, widerspricht lautstark Joe Warwick. 

„Es wird ein völlig neues Format, bei dem es überhaupt nicht um Wettbewerb oder Klassifizierung geht.“ Genau das hat Warwick offenbar schon sehr oft betonen müssen, wie man an seiner leicht genervten Reaktion nur allzu deutlich erkennen kann. Es ist ein warmer Frühlingstag in Paris. Seit zwei Tagen schon bemüht sich Warwick, das Konzept des neuen Events den circa hundert extra dafür aus aller Welt angereisten Kollegen und Küchenchefs näherzubringen.

Fine-Dine-Ikonen: Andrea Petrini und Joe Warwick (re.) sehen die World’s-50-Best-Res­taurants-Liste als Monster, das sie selbst gezüchtet haben.

„Es wird eine Preisverleihung für das Gastgewerbe, ähnlich wie die Oscar-Verleihung, nur eben nicht für Filme, sondern für Lokale. Und zwar in verschiedenen Kategorien, nicht nur im Fine Dining“, wiederholt er. Um zu besprechen, um welche Kategorien genau es dabei gehen soll – dafür hat man sich in den altehrwürdigen Räumen der Pariser Börse getroffen. 

Ins Leben gerufen und organisiert hat der Brite mit dem blonden Lockenkopf das Treffen gemeinsam mit dem in Frankreich beheimateten italienischen Journalisten Andrea Petrini. Beide zählen zu den angesehensten und einflussreichsten Vertretern ihrer Branche. Warwick unter anderem deswegen, weil er mit viel Erfolg ein Buch namens „Where Chefs Eat“ herausgibt. 

Aber auch, weil er zu den Gründern der tonangebenden Liste der World’s 50 Best Restaurants zählt. Petrini indessen hat in der Vergangenheit das exklusiv besetzte Köche-Treffen „Cook it Raw“ inszeniert, bei dem es darum ging, die Köche in die freie Natur zu schicken, wo sie alles Mögliche sammeln und jagen mussten, um es später zu verkochen.

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19.07.2018