Ausgabe 226, Porträts

Privatsache

Seit fast drei Jahrzehnten führen Carl, Michael und Stephan Geisel die gleichnamigen Privathotels. Bald geht eine Ära zu Ende, denn das Traditionshaus Königshof wird dem Boden gleichgemacht.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Thomas Haindl, KME Studios Geisels, Thomas Haberland

Drei, fünf, vier, eins, 100, 16. Was das soll? Drei Brüder, nämlich die Geisels, Carl, Michael und Stephan, besitzen fünf Hotels plus vier Restaurants und eine Weinhandlung. Das Familienunternehmen gibt es seit über 100 Jahren und am 16. April dieses Jahres wurde es amtlich: Die Münchner sind beim ROLLING PIN-Award als „Hoteliers des Jahres“ ausgezeichnet worden, unter anderem deswegen, weil Expansion ihr zweiter Vorname ist und dieser passiert ausschließlich in München. 

Die vierte Generation der Familie Geisel gibt nämlich ganz schön Gas und lässt keinen Stein auf dem anderem, denn sie weiß: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. So wurde erst vor drei Monaten der neueste Streich der Gebrüder eröffnet, die Schwabinger Wahrheit. Man darf den Namen ruhig ernst nehmen, denn er ist eine Hommage an das authentische Schwabing, das für die meisten Münchner viel mehr als ein Stadtteil, eher ein Lebensgefühl ist.

Für die Geisels ist das Haus eine Art Liebeserklärung an diesen Bezirk. Das Hotel mit 80 Gästezimmern ist eine Kombination aus urbanem Stadthotel und trendigem Businesshotel. Ein besonderes Schmankerl ist das Graffito im Eingangsbereich: „Es zeigt die Geschichte Schwabings vom Dorf über die 20er-Jahre, den Simplicissimus, die Weiße Rose bis hin zur Disco-Zeit“, erklärt Michael Geisel das moderne Kunstwerk. 

Er ist für dieses neueste „Baby“ operativ verantwortlich, aber grundsätzlich wird bei wichtigen Entscheidungen die Kraft gebündelt, wie Carl Geisel bestätigt: „Investitionen und derlei Dinge versuchen wir einstimmig zu treffen. Und wenn wir das nicht auf Anhieb schaffen, wird so lange diskutiert, bis wir das einigermaßen hinbekommen.“ Da die Männer schon seit einigen Jahren am selben Strang ziehen und sich dementsprechend annähern konnten, ist es für den ältesten der drei Brüder selbstverständlich, dass sie immer zu einem positiven Ergebnis kommen.

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13.08.2018