Ausgabe 227

Auf ein Bier mit Sepp Schellhorn

Er verkörpert wie kein anderer die Rolle des Tribuns der österreichischen Tourismusbranche. Im Interview spricht der Vollblutgastronom und unbeugsame Politiker Sepp Schellhorn über den Fachkräftemangel, die Salzburger Festspiele — und über seine beiden Wecker.

Text: Lucas Palm, Bernhard Leitner     Fotos: Michael Preschl, beigestellt

Glauben an ein Gesamtkunstwerk: Gastronom, Hotelier, Politiker: Sepp Schellhorn ist leidenschaftlicher Gastronom und unbeugsamer Liberaler in einem. Der Inhaber von fünf Betrieben ist eine unverzichtbare Stimme für seine Branche geworden — und hat für ihre Probleme auch Lösungsvorschläge, wie sie nur jemand vom Fach haben kann.

Sie stammen aus einer Gastronomenfamilie und haben mit großem Erfolg den elterlichen Betrieb übernommen. Gibt es Ihrer Meinung nach so etwas wie ein Gastro-Gen?
Sepp Schellhorn: Ich denke, es ist weniger eine Gen-Geschichte, sondern vielmehr eine Gesellschaftsgeschichte. Denn schließlich hat es viel damit zu tun, in welchem Elternhaushalt man erwachsen wird. Es ist ja nicht selten so, dass der Sohn eines Bauern Bauer wird oder der eines Steuerberaters Steuerberater. Ich selbst bin in einer Häuslichkeit aufgewachsen, in der immer sehr viele Menschen waren, neben Mitarbeitern natürlich auch Gäste. Und noch heute ist so, dass ich meine Branche als die gelebte Möglichkeit sehe, täglich 100 neue Freunde zu finden. 

Als einer der wenigen Repräsentanten der Gastronomen — und der Tourismusbranche überhaupt — in der Politik: Wo sehen Sie die Hebel, um das Problem des Fachkräftemangels anzugehen/zu lösen?
Schellhorn: Wir erleben das Phänomen, dass die Gesellschaft immer mehr Freizeit hat. Gleichzeitig findet man aber immer weniger Menschen, die für diese Dienstleistungsgesellschaft auch bereit sind, die entsprechende Dienstleistung abzuwickeln. Das ist das grundsätzliche Problem, das mir auch im Rahmen vieler Bewerbungsgespräche auffällt — Stichwort Sonntagsöffnung etc. Da spielt auch stark hinein, dass das politische und arbeitsrechtliche System in Österreich es geradezu schlechtredet, beispielsweise von Freitagnachmittag bis Sonntagabend zu arbeiten. Dabei gibt es ja genügend junge Menschen, die nicht unbedingt von Montag um neun bis Freitag um 17 Uhr im Büro sitzen wollen, sondern auch einmal drei Tage mit 13 Stunden arbeiten wollen, um dann vier Tage freizuhaben. Auf diese Welten sollte sich der Gesetzgeber endlich einmal einstellen. Das tun die Sozialpartner nicht. Aber natürlich: Auch wir, die Branche, müssen etwas dafür tun, um diese Dienstleistungsbereitschaft wieder hervorzukehren. Ansonsten blüht uns das System Schweiz, wo die Branche ihre Mitarbeiter verstärkt im Ausland suchen muss.

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03.09.2018