Ausgabe 227

Es stinkt bis zum Himmel

In der Lachsindustrie geht es um Profit. Nicht um gutes Futter, nicht um glückliche Fische, nicht um Nachhaltigkeit. Einfach nur um Geld. Und Geld stinkt in dem Fall genauso wie drei tage alter Lachs.

Text: Kathrin Löffel     Fotos: Monika Reiter, Shutterstock

Alle lieben Lachs. Klar, dass sich der Fisch auf Platz eins der beliebtesten Speisefische mit wenig und auch noch sehr gutem Fett sowie vielen anderen guten Inhaltsstoffen befindet. Lachsläuse, Antibiotikum, Ethoxyquin – mhhh … lecker. Moment, was? Eine kleine Erklärung: Ja, es stimmt. Lachs ist ein gutes Lebensmittel. Er enthält viele Vitamine – von A bis E alles drin –, die guten Omega-3-Fettsäuren, Spurenelemente, essentielle Aminosäuren und Mineralstoffe. 

Grundsätzlich also ein Superfood, das sich sehr gut auf den menschlichen Organismus – besonders das Herz-Kreislauf-System – auswirkt. Allerdings sind eben auch Dinge drin, die man jetzt irgendwie nicht so wirklich braucht. Und zwar dann, wenn die Aufzucht auf Profit aus ist und nicht auf nachhaltiger, gesunder Fischzucht. 

Lachsfarm ohne Bauernhofidylle 

So idyllisch, wie man sich den springenden, kräftigen Wildlachs am Wasserfall vor viel Grün und Sonnenuntergang vorstellt, ist das Leben eines Zuchtlachses leider nicht. Es gibt noch Lachs, der genau dieses Leben hinter sich hat, bevor er frisch oder geräuchert auf den europäischen Tellern landet. Aber der ist kaum bezahlbar. „Ein Kilogramm Wildlachs kostet rund 48 Euro“, erklärt Fischhändler Karl Niehusen aus Hamburg.

Lachs mit offenem Maul und Medikamenten darin

Zuchtlachs, wie beispielsweise der aus Norwegen oder Chile, dümpelt 100-Millionen-fach in den Käfigen der Fischfarmer vor der Küste. Die Netzgehege bestehen aus einem schwimmfähigen Trägersystem und einem Netz, in dem die Fische gehalten werden. Meistens in Größen bis etwa 30 Meter Durchmesser und 15 Meter Tiefe. Die Besatzdichte beträgt offiziell etwa 40 Kilogramm Fisch pro 1000 Liter Wasser. Nicht ganz so idyllisch bis hierhin wie das offene Meer beim Wildlachs. 

Durch die Massentierhaltung haben die Farmer mit Problemen zu kämpfen. Dazu gehört besonders die Lachslaus. Der Name des kleinen Krebstieres klingt netter, als es ist. Laut Norwegian Seafood Council starben im Jahr 2016 rund 53 Millionen Tiere durch den Befall des Parasiten. Die Lachslaus beißt sich in der Kopfregion und am After ihrer Opfer fest und frisst sich ins Fleisch. Weil die Fische so dicht gezüchtet werden, explodiert die Anzahl der Lachsläuse.

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03.09.2018