Ausgabe 227

Mein größter Fehler: Gerhard Retter

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Gerhard Retter.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Helge O. Sommer

Hand aufs Herz. Kommt nicht jeder in seinem Leben irgendwann einmal zu dem Punkt, wo er sich fragt: „Was wäre gewesen, wenn?“ So wie er, der hochdekorierte Sommelier, Restaurantleiter und Österreichs authentischster Export nach Deutschland. Gerhard Retter wuchs als Wirtshauskind in der Oststeiermark auf und schlug später – selbstverständlich – auch den Weg in die Branche ein, machte eine fundierte Ausbildung zum Koch und Kellner, welche ihn in weiterer Folge mit seiner großen Leidenschaft, dem Wein, in Verbindung brachte. 

Die Jahre danach waren wahre Lehrjahre mit allen Höhen und Tiefen und wie es unsere menschliche Natur so will, neigt man doch dazu, lieber über das Positive zu sprechen. Bei Retter klingt das so: Direkt nach der Ausbildung ging es nach München zu Eckart Witzigmann ins Aubergine, wo er mit seinem Ehrgeiz, Können und vor allem österreichischen Schmäh punktete. 

Danach folgten Stationen bei Frédy Girardet in Lausanne, bei Gordon Ramsay in London, Heinz Hanner in Mayerling, im Sterne-Restaurant Lorenz Adlon sowie im legendären Hotel Adlon in Berlin. Gerhard Retter traf in dieser Zeit auf unzählige Prominente wie Tina Turner, Jodie Foster, Bill Clinton bis hin zur Queen Elizabeth II., der er den Nachmittagstee servieren durfte, woraufhin sie sich sogar mit einem Brief bedankte. 

Gerhard Retter hält einen Rettungsring in der Hand, mit offener Fliege und Hosenträger

Alles schmeichelhafte Erinnerungen in der Laufbahn des heute 45-Jährigen, doch nun kommen wir zu der Stelle in der Erfolgsstory, wo die eingangs erwähnte Frage aufs Tapet kommt: Was wäre, wenn … Gerhard Retter statt zu Gordon Ramsay nach London zu Sirio Maccioni nach New York ins legendäre Restaurant Le Cirque gegangen wäre? Nun ja, sowohl der Sommelier als auch wir werden es nie erfahren, denn der junge Retter war ein Draufgänger und hat sich diese Chance selbst vertan.

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03.09.2018