Ausgabe 228

Auf ein Bier mit Frank Oehler

Frank Oehler ist angepisst. Nein, nicht weil vor ein paar Monaten seine Speisemeisterei pleite­gegangen ist. Viel eher auf die aktuellen Zustände in der Gastronomie und vor allem auf die Politik.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Monika Reiter

Offen gesagt 

Frank Oehler ist nicht nur ein Handwerker, sondern auch ein Mundwerker. Ersteres hat er von der Pike auf gelernt und in vier Jahrzehnten seiner Schaffenskarriere verfeinert. So hat er zum Beispiel in vier verschiedenen Betrieben je einen Stern erkocht. Sein Können stellt er auch bei der Sendung „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“ zur Schau, doch zuletzt geriet er durch die Pleite seines Sternerestaurants Speisemeisterei in die Medien. Uns erzählt er, wie es dazu kam und warum er es auch seinen Kollegen wünschen würde.

Im Mai wurde bekannt, dass Sie mit Ihrer Speisemeisterei Insolvenz angemeldet haben. Was war der Auslöser? 
Frank Oehler: Das Problem war, dass eine Großrechnung mit 70.000 Euro ausstand. Diese wurde nicht überwiesen, das Zahlungsziel war drei Monate. Wir konnten die Gehälter nicht bezahlen. Wir sind eine GmbH, haben das Lokal gepachtet vom Finanzministerium. Dann war es eben so, dass einer von uns Geschäftsführern ins Amtsgericht gehen musste und Insolvenz anmeldete, weil sonst kommst du ins Gefängnis wegen Insolvenzverschleppung. In Deutschland bist du dem großen Gesetzesapparat ausgeliefert. 

Jeder zweite Koch bzw. Gastronom steht mit einem Fuß im Gefängnis, weil er die Dinge nicht so versteht. Das Thema „Ehrlich währt am längsten“ ging sich nicht aus, weil ehrlich geht als Erster. Weil wir nicht Schwarzgeld generieren konnten, wir uns an die neun Stunden halten mussten, wir offizieller Vorbildbetrieb waren und wir an unserer Vorbildlichkeit gescheitert sind.

Wie überall hat auch bei euch der Fachkräftemangel zugeschlagen. Wie groß war der Schaden? 
Oehler: Wir haben seit zwei Jahren gesucht und hatten kaum Bewerbungen. Und es wird auch nicht besser. Es ist ein politisches Problem, die SPD hat uns das größte Ei gelegt. Wir sind eigentlich nicht gescheitert, wir haben die Stecker gezogen. Die Speisemeisterei war so ein Wachkoma-Patient und der war auch nicht mehr am Leben zu erhalten, nicht unter diesen Konditionen, nicht unter diesen Prämissen und nicht unter dieser Philosophie. 

Und daher ist es auch Zeit, einmal Pause zu machen und darüber nachzudenken, was kann man ändern, wo ist das Problem. Und dann eben schauen, was kann man Neues an den Start bringen.

Hättet ihr – im Nachhinein betrachtet – bei der Mitarbeiterpolitik selbst etwas besser machen können? 
Oehler: Wir haben Mitarbeiter eingebunden, Coachings gemacht, Gespräche geführt, weit über das Maß hinaus bezahlt, aber immer wieder musstest du sie neu zurückholen. Und irgendwann gibst du auf und sagst: Ich kann nicht mehr. Ich bin jetzt auch mit meinen Ressourcen am Ende, ich habe alles gegeben, das hatte keine Nachhaltigkeit mehr. 

Es kommt der Nächste um die Ecke, zahlt 100 Euro mehr, dann sind die weg. Alles, was du aufgebaut hast, hängt immer am seidenen Faden. Und das geht aufs Nervenkostüm. Und bevor du durchdrehst und mit Burn-out in der Nervenklinik landest, ist es schlauer zu sagen, ich muss jetzt reagieren. Alle warten ab und warten auf Selbstregulierung. Ich glaube nicht, dass es Selbstregulierung in der Gastro gibt. „Schau ma mal“, wie der Beckenbauer sagt. 

Aber auch wenn’s kollabiert, dann wäre es ein Neuanfang. Also man muss sich neu sortieren. Wir brauchen Bildung, wir brauchen Zusammenhänge, wir brauchen Intelligenz, wir müssen mehr denken.

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24.09.2018