Ausgabe 228

Die seltsamen Geschäftspraktiken des Christian S.

Seit Jahren agiert Christian Lutz Schoenberger als Onlinegetränkehändler und hinterlässt dabei jede Menge Shitstorms, verärgerte Kunden, Lieferanten und Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft.

Fotos: Thomas Haidl

Als der größte Online-Getränkehändler Deutschlands mit Hunderttausenden Newsletter-Abonnenten sowie als Digital Expert inszeniert und präsentiert sich der 32-jährige Wahlhamburger nur all zu gerne.

Rechtlich machte Schoenberger, der nach eigenen Angaben mit 15 Jahren die Schule verließ, erstmals 2012 auf sich aufmerksam, als er beim Landgericht Hamburg mit dem Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs in mehr als 100 Fällen angezeigt wurde. Über die Website www.stardrinx.de soll Schoenberger alkoholische Getränke, darunter auch hochwertigen Champagner, zu absoluten Spottpreisen angeboten haben. Tausende sind seinem Aufruf gefolgt, haben fleißig geordert und brav vorab bezahlt.

Viele von ihnen bekamen die versprochenen Schnäppchen aber nie geliefert und mussten daraufhin auch noch mehrere Monate auf ihre Rückzahlungen warten. 2015 folgte eine zweite Klage mit ähnlichen Vorwürfen: Darin ging es um die Aktivitäten bei dem früheren Schoenberger-Shop welovedrinks.de, wo ebenfalls Champagner und andere Alkoholika besonders günstig angeboten wurden.

Nachdem Schoenberger, der sein vermeintliches Millionenbusiness aus dem Haus seiner Mutter gemanagt – wo angeblich ein Container im Garten als Getränkelager gedient haben soll – Anfang 2016 wegen Fluchtgefahr für viereinhalb Monate in Untersuchungshaft genommen wurde, ist es eine Zeit lang still um den selbsternannten Getränkekönig geworden.

Anfang 2018 sorgte er mit einem neuen Online-Shop unter dem Namen Elb Gourmet mit Sitz in Hamburg erneut für gewaltigen Wirbel und betitelte sich selbst als den führenden Champagner-Händler Deutschlands. Genau mit diesen Worten wandte sich Schoenberger auch an den Weinhändler Timo Möck. „Schoenberger hat zwischen Ende April und Anfang Juni 2018 eine stattliche Anzahl an diversen Weinen bei uns bestellt.

Bis heute habe ich davon keinen Cent gesehen und auch die Ware ist weg“, so der Weinhändler, der ähnlich wie der Wiesbadner Gianfranco Amato und auch andere auf seinen Forderungen sitzen blieb.

Wie ein Phantom

Alle Versuche, sein Geld oder zumindest seine Ware wiederzubekommen, waren bis heute erfolglos: „Schoenberger ist wie ein Phantom. Die Adresse seines Firmensitzes existiert nicht und auch einen privaten Wohnsitz hat er offensichtlich nicht.“ Die Zustellung an die angegebene Firmenadresse konnte laut Möck nie durchgeführt werden. Schoenberger habe gewartet, bis die Weine wieder im Zentrallager waren, und sie von dort abgeholt.

Da das Bezirksamt Hamburg-Nord bereits Ende 2013 eine Gewerbeunterlassung gegen Schoenberger – welche bedeutet, dass er bundesweit nicht als Geschäftsführer agieren darf – beschlossen hat, scheint es so, als ob seine Lebensgefährtin das „Businesskonzept“ von Schoenberger über ihre Einzelfirma „Schoen Gesehen“ in Hamburg weiterführt.

Nachdem Schoenbergers Online-Shops Elb Gourmet – welchen er noch im Juni als den größten Online-Shop für Getränke beworben hat – genauso wie www.champagner-boutique.de bereits wieder offline sind, kann man unter www.dosen-meister.de – welcher laut Impressum „Schoen Gesehen“ gehört – nach wie vor wunderbare „Schnäppchen“ erstehen und beispielsweise 0,75-Liter-Flaschen Moët & Chandon Brut Rosé Impérial um 22,90 Euro ordern.

Selbstverständlich nur gegen Vorauskassa. Auf diversen Internet-Bewertungsplattformen wie Trustpilot gehen die Kundenbeschwerden, dass Getränke bezahlt, aber nie geliefert wurden, bereits durch die Decke. Laut Auskunft der Pressestelle des Hanseatischen Obergerichts laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Christian Lutz Schoenberger. Genaue Auskünfte, wann und ob der Fall vor das Hauptgericht kommt, gibt es derzeit nicht. Man darf also gespannt sein, wie lange Christian Lutz Schoenberger noch seinen seltsamen Geschäftspraktiken nachgehen kann.

16.10.2018