Ausgabe 228

Hamburgs größte WG

Manchmal darf man das Kind ruhig beim Namen nennen. Wie Jörn Hoppe seine Superbude. Was diesen Hostel-Hotel-Mix dazu macht, ist leicht erklärt.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Christian Perl, beigestellt

In einem Raum in einem Hotel in Hamburg – nennen wir ihn Kitchenclub – treffen zwei Gruppen von Menschen aufeinander, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Die einen ein Ü60-Ehepaar, die anderen eine Heavy-Metal-Band mit schwarzen, langen Haaren. Sie kommen ins Gespräch und bald stellt sich heraus, dass der Ü60-Mann genauso musikaffin ist, früher mit der Bigband auf Tour war und sehr interessiert am heutigen Band-Dasein ist. 

Bei dem Gespräch stellt sich auch heraus, dass die Band beim Vorabendgig nicht genug Geld eingenommen hat, um länger im Hotel zu bleiben. Kurzerhand entscheidet sich das ältere Paar, den Bandmitgliedern eine weitere Nacht zu zahlen. Was wiederum das Hotelmanagement dazu bewegt, sich an dieser Sharing-Idee zu beteiligen und für den Abend ein paar Bierchen springen zu lassen. Was meinen Sie – fake or real?

Natürlich ist das die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, einzig die Bezeichnung Hotel könnte man hinterfragen, denn tatsächlich ist es eine Mischung aus Hostel und Hotel, genannt Superbude. Diese Geschichte, die das Leben schrieb, kann nur in einem Konzept wie dem der Superbude passieren. Denn nur dort findet man sowohl 18- wie auch 80-Jährige, Backpacker und Businessgäste, Heavy-Metal-Bands, Street-Art-Künstler oder ganze Hochzeitsgesellschaften, die zusammenbleiben möchten. 

Alles ist bunt, alles ist easy und entspannt – man begibt sich sozusagen in ein ganz anderes Hospitality-Universum. Und über all dem steht ein Name: Jörn Hoppe. 

Jörn Hoppe von der Superbude grinst in die Linse

Das Mischkonzept 

Jörn Hoppe zog in seinen jungen Jahren nach einer klassischen Lehre als Koch plus Managementausbildung bei Mövenpick aus, um die Welt zu bereisen. „Ich war damals 21 Jahre alt, habe aber ausgesehen wie ein 16-Jähriger und mir wurde gesagt, dass mich die Leute als Manager nicht ernst nehmen würden“, erzählt der heute 40-Jährige. So machte er aus der Not eine Tugend, startete sein Vorhaben und in Australien durfte er zum ersten Mal ein Hostel eröffnen.

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24.09.2018