Ausgabe 228

Mein groesster Fehler: Christian Rach

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Christian Rach.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Thomas Haindl

Wie fühlt es sich an, wenn man seinem Bauchgefühl folgt und beginnt, seinen Traum zu leben? Christian Rach weiß davon ein Lied zu singen und tut es – nach gewohnter Manier – gerne und ausführlich. Immerhin hat er schon viel erlebt mit seinen 61 Jahren. Zuerst in der Gastronomie, wo er in Hamburg nach dem Restaurant Leopold das Restaurant Tafelhaus, untergebracht in einem alten Friedhofshäuschen, eröffnete. 

Bereits eineinhalb Jahre danach bekam der Koch dafür einen Michelin-Stern verliehen. „Das war 1991 und das Tafelhaus hat den Stern bekommen, obwohl wir nur Sperrholzmöbel und Gläser von der Stange hatten“, sagt Rach amüsiert und auch ein wenig stolz, denn damals wurde beim großen Guide das Wort konservativ noch großgeschrieben. Doch die Küche bewies sich immer wieder und behielt den Stern bis zur Schließung des Restaurants 20 Jahre später. 

Der breiten Öffentlichkeit wurde Christian Rach später durch diverse TV-Shows bekannt. Er ist ein kritischer sowie analytischer Betrachter der aktuellen Situation in der Gastronomie und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Oft wird er als Gastro-Philosoph zitiert, was gar nicht so weit hergeholt ist, ist doch die Philosophie seine zweite Leidenschaft nach dem Kochen. Als Insider – oder wenn man ein aufmerksamer Leser von Wikipedia-Einträgen ist – weiß man auch, dass Herr Rach in seinen jungen Jahren Mathematik und Philosophie studiert hat, dieses Studium allerdings nie zu Ende brachte.

Christian Rach

Auch wenn das Magazin Vogue seinerzeit den Hamburger in der Headline zum zweifachen Doktor machte. Er habe wohl interveniert, wollte eine Gegendarstellung haben, aber es war erfolglos. „Seither bin ich der Presse und Headlines gegenüber skeptisch, obwohl ich selbst ein Mann der Presse geworden bin“, erzählt der TV-Erfahrene. Es ist jedoch möglich, dass sich gerade bei dieser Headline etwas in Christian Rachs Innerem getan hat. 

Eine Erinnerung an junge Jahre, als er noch den Plan hatte, studierter Mathematiker und Philosoph zu werden, dies aber nie zu Ende brachte, was er heute in einem Atemzug seinen größten Fehler wie auch seine größte Chance nennt. Die Erklärung, warum das so ist, folgt gleich. Zuerst aber die Story im Schnelldurchlauf, wie es zu diesem Sinneswandel kam. Der gebürtige Saarländer stammt aus einer Familie mit vier Kindern, wo das Geld nicht zu üppig vorhanden war.

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24.09.2018