Ausgabe 229

Aromen des Schicksals

Seit 2006 schlägt er kulinarisch die höchsten ­Wellen an der Côte d’Azur. Starkoch Mauro ­Colagreco hebt in seinem Restaurant Mirazur ­jegliche Grenzen auf – und definiert die ­Mittelmeerküche neu.

Text: Lucas Palm     Fotos: Patrick Kirchberger, Lukas Kirchgasser, Benjamin Monn

Mauro Colagrecos Werdegang hat etwas Schicksalhaftes. Fast könnte man meinen, seine Geschichte sei zu gut, um wahr zu sein. Der Argentinier mit italienischen Wurzeln, der nach Frankreich ging, um Koch zu werden. Der Praktikant, der sich bei einer Größe nach der anderen hocharbeitete: Loiseau, Passard, Ducasse. Und schließlich: das argentinische Ausnahmetalent, das in der Heimat der Kulinarik sein Zuhause fand, gleichzeitig die Nähe zu seinen italienischen Wurzeln suchte – und ausgerechnet an der italienisch-französischen Grenze sein Restaurant eröffnete. Und was für eines: das Mirazur. Nummer drei der 50 besten Restaurants weltweit. Für viele das beste Restaurant Frankreichs. Ein Gourmettempel, in dem Colagreco kulinarische Messen abhält, nach denen gewöhnliche Gäste das Mirazur als inbrünstige Jünger verlassen. Schicksal hin oder her: Mauro Colagreco hat sich das alles hart erarbeitet. Bereits in seiner Jugend als Rugby-Spieler für den argentinischen Klub La Plata lernte er, dass der Weg zum Ziel kein Spaziergang ist. Und dass man für den Weg, den man gehen will, kämpfen muss. Sein begonnenes Wirtschaftsstudium brach er im zweiten Jahr ab. Der Plan war, die Buchhaltungsgeschäfte seines Vaters zu übernehmen. Unmöglich. Der Drang, seiner Leidenschaft fürs Kochen nachzugeben, war zu groß.



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12.10.2018