Ausgabe 229

No Service – Data Kitchen in Berlin

Das Essen ist im Kasten! In der Data Kitchen in berlin bestellt der gast per App und holt sich sein essen frisch gekocht aus dem Glaskasten.

Text: Sissy Rabl     Fotos: DataTata GmbH/Stefan Wolf Lucks, Marcus Zumbansen, beigestellt

Das Gericht steht im Glaskasten, der eigene Name vorn darauf. Ein Klick am Handy und der Kasten öffnet sich. Mahlzeit! So in etwa darf man sich einen Besuch in der Data Kitchen vorstellen. 2016 hat das Konzeptrestaurant in der Rosenthaler Straße in Berlin-Mitte eröffnet. Slow Food soll möglichst schnell und benutzerfreundlich serviert werden für Arbeiter, die eine besonders kurze Mittagspause haben. Dazu bestellt man das Essen via App oder Website.

Es wird dann frisch in der Küche zubereitet und in einem der Glaskästen an der sogenannten Foodwall zum gewünschten Zeitpunkt bereitgestellt. Der Kunde wird via E-Mail informiert, wenn die Bestellung eingegangen ist, zubereitet wird und zur Abholung bereitsteht. Wichtig ist nur, möglichst pünktlich einzutreffen, denn das Essen ist frisch und nicht wirklich zum Wieder-Aufwärmen gedacht. Der Glaskasten öffnet sich durch Klick auf einen Link in der E-Mail.

Servicepersonal im herkömmlichen Sinn gibt es nicht, aber Assistenten bei der Abholung, die sich so auf die Gastgeberrolle fokussieren sollen. Ganz neu ist das Konzept nicht: In den USA ist das einstige Start-up Eatsa aus San Francisco mit einem ähnlichen Konzept seit seiner Gründung 2015 zu einer nationalen Kette mit sieben Standorten angewachsen, mittlerweile aber wieder am Schrumpfen. Alle Standorte außerhalb von San Francisco wurden wieder geschlossen. Grund sei die überhastete Expansion gewesen.

Berliner Original

Die deutsche Data Kitchen wiederum ist bis jetzt bei einem Standort geblieben. Dahinter steht ein Mann, der in der deutschen Hauptstadt schon mit anderen Konzepten bleibende Spuren hinterlassen hat. Heinz „Cookie“ Gindullis hat 20 Jahre lang den Kultclub Cookies betrieben, wo auch schon die Pet Shop Boys und die Chemical Brothers auflegten.

Den Club hat Gindullis 2014 geschlossen, weil er sich lieber anderem widmen wollte, dafür hatte er aber drei weitere Betriebe am Start: das vegetarische Ein-Stern-Restaurant Cookies Cream sowie Bar und Restaurant Crackers, das etwas legerer gehalten, aber im selben Haus untergebracht ist.

Schließlich noch das Chipps in Berlin-Mitte, das unter anderem vegetarisches Mittagessen bietet. Die Data Kitchen ist Gindullis jüngstes Projekt, das er in Zusammenarbeit mit dem IT-Unternehmen SAP konzipiert hat. Das Restaurant funktioniert auch besonders wegen der Qualität der Gerichte gut: Hinterm Herd steht das Team von Küchenchef Alexander Brosin. Dieser arbeitete zuvor in der gemüselastigen Küche von Sternekoch Michael Hoffmann. Auch in der Data Kitchen setzt er einen Schwerpunkt auf Gemüse, regionale, kleinere Produzenten und Saisonalität.

Pro und Kontra

„Der Vorteil an dieser Art von Küche ist, dass ich die Mengen durch die Vorbestellung einplanen und mich dadurch besser vorbereiten kann. Somit ist die Arbeit gezielter und produziert auch weniger Abfall“, meint Brosin. Wichtig sei dann eben nur, dass der Kunde pünktlich eintrifft, denn die Glaskästen der Foodwall sind weder beheizt im Winter noch gekühlt im Sommer.

 

 

Das Team rund um Unternehmer „Cookie“ und Küchenchef Alexander Brosin
Das moderne Design der Foodwall gibt dem Restaurant einen futuristischen Touch
Regionale und saisonale Küche mit viel Gemüse wird hier gern serviert
Das moderne Design der Foodwall gibt dem Restaurant einen futuristischen Touch
Das moderne Design der Foodwall gibt dem Restaurant einen futuristischen Touch
Küchenchef Alexander Brosin arbeitet vor allem mit kleinen lokalen Produzenten zusammen

Das Restaurant hat insgesamt 55 Sitzplätze, mit Terrasse 80. In der Küche stehen mit Brosin sechs Leute, im „Service“ vier. „Im Endeffekt haben sich die Personalkosten nicht verringert durch das Konzept, denn die Laufkundschaft braucht immer noch viel Betreuung vor Ort und die Technik sowie der Bestellvorgang stellen für viele besonders in einem gastronomisch konservativen Land wie Deutschland eine Herausforderung dar.“

Gleichzeitig zieht Brosin ein positives Resümee der ersten eineinhalb Jahre: „Wir haben unsere Zielkundschaft – nämlich junge Arbeitende mit relativ kurzen Mittagspausen aus den umliegenden Büros – erreicht und uns einen Kundenstamm aufgebaut.“ 

Sensible Technik

Dabei war vor allem die Anfangszeit rund um die Eröffnung im Dezember 2016 besonders spannend: „Es gab doch einige technische Hürden, die wir aber alle mit der Zeit ausbügeln konnten“, sagt Brosin. Trotzdem sei die Anfälligkeit für technische Probleme wie zum Beispiel Stromausfälle ein Thema. 

Bisher sei es allerdings erst einmal dazu gekommen. Da mussten sie dann wieder auf traditionellen Service umsteigen. Geboten werden in der Data Kitchen sowohl Frühstück als auch Mittagessen von Montag bis Freitag, ab 17 Uhr schließt das Restaurant. Dabei gibt es ständig wechselnde Menüs, die im Sommer oft leichter gestaltet sind wie Salate, Gurken-Joghurt-Gaz-pacho, gegrillte Sous-vide-Aubergine oder Mines­trone mit Wurzelgemüse.

Dazu verschiedene Säfte, Süßspeisen oder Snacks. Über eine mögliche Expansion sei zwar schon mal gesprochen worden, aber nie konkret. Der Fehlschlag der US-amerikanischen Vorbilder schüchtert ihn auf jeden Fall nicht ein: „Die Data Kitchen ist nicht so steril wie Eatsa und serviert eine ganz andere Küche. Das ist eigentlich gar nicht miteinander zu vergleichen“, meint Brosin. 

www.datakitchen.berlin

12.10.2018