Ausgabe 230

Dr. Alaba: The Tribute

Wenn vier Freunde tun, was sie wollen und sehr gut können, und aus Alaba plötzlich ein Doktor wird, der keine Rezepte verschreibt, sondern zubereitet – dann ist man wohl in der genialsten Pension von Spanien gelandet.

Text: Nina Wessely     Fotos: Claudio Martinuzzi, beigestellt

Wie beschreibt man einen Ort, für den man keine Worte findet? Noch nie gefunden hat? Nicht im Entstehen und schon gar nicht beim lange erwarteten Erlebnis. Ein Ort, der dann noch dazu Dr. Alaba heißt. Wie unser Fußballer. Denkt man als Österreicher. Wobei dieser dabei weder Hände noch Füße mit im Spiel hatte. Das ist Zufall. Wie sonst nichts und alles an diesem Ort. Ebenso wie es Tenacious D im gleichnamigen Song vertont: Ihr müsst euch mit dem Tribut zufriedengeben. Das Original musst Du: Erleben. Es gibt Dinge, da reichen die Worte nicht hin. Nicht einmal Musik.

Der Tribute-Versuch startet hier:

Dr. Alaba im spanischen San Sebastiàn im belebten Viertel Gros, das sich hinter die Ausläufer der Atlantik-Bucht Zoriola schmiegt, ist – um mit den Fakten zu beginnen – eine Pension. Kein Restaurant. Eine Pension. Mit einem Zimmer. Und einem Bett. Ein Herd, eine Terrasse und vier Ausnahme-Menschen, die den fünften im Bunde, Dr. Alaba, zu einem Erlebnis machen. Unkopierbar. Und unvergesslich. Dr. Alaba heißt das Ganze weil davor ein Radiologe hier eingemietet war. Der Dr. Alaba. Menschen durchleuchten steht hier jetzt nicht mehr am Plan. Sondern erleuchten. Klingt kitschig. Ist es gar nicht. Die Erleuchtung muss auch nicht von den vier Köche kommen, die sich mit Dr. Alaba ihren Traum erfüllt haben.

Ein Traum, der übrigens 2011 auf einer Südseeinsel zum Lied „Follow“ der Crystal Fighters entstanden ist. „Manchmal, beziehungsweise immer, passiert die Erleuchtung, dieses Hochgefühl, gerade Teil von etwas Einzigartigem und Besonderem zu werden, ganz von selbst. Springt von Gast auf Gast über. Manchmal startet es beim Ambiente. Manchmal beim Essen. Und manchmal eben beim Gast“, erklärt gerade noch Javi P3z, internationaler DJ mit Homebase in San Sebastián, als mit dem ersten Gericht, einem schlichten Seeigel, Stille einkehrt.

Ein Seeigel. Fertig. Der Geschmack aber derart genial und potent herausgearbeitet, dass man meinen könnte, auch die restlichen Gerichte schmeckten ab sofort nach diesem Seeigel. Tun sie natürlich nicht. Die Handschrift eines jeden Kochs ist klar erkennbar. In jedem Gericht. Die einen Aromen kommen verspielt daher, die anderen subtiler, gar schüchtern, aber ultraharmonisch. Zwischendurch gibt es ganz klar definierte Geschmäcke, die mit ihrer Kraft nicht hinterm Berg halten. Das klingt schwer vereinbar, ist es aber schon, bevor es überhaupt den Gast erreicht.

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02.11.2018