Ausgabe 230

Londrino: Mit frischen Augen

Ein Portugiese in London: Leandro Carreira lernte in Europas Spitzenküchen und ist seit November im Londrino sein eigener Chef. Sein Sonniges Gemüt trifft auf viel Disziplin: Die Höhen und Tiefen eines Wahlbriten.

Fotos: Thomas Haindl, beigestellt

London ist nicht einfach. Ehrlich gesagt, ist es sogar richtig hart“, verrät Leandro Carreira, der trotz des vielen Drucks sein Lachen nicht verloren hat. Vier Jahre hat die Planungsphase für das eigene Restaurant in der Nähe der London Bridge in Anspruch genommen. „In London ist die Konkurrenz sehr stark und es gibt einfach unglaublich viele Res­taurants. Nach den ersten Monaten, in denen viele Gäste am neuen Restaurant interessiert waren und der Andrang groß war, befinden wir uns gerade in einer ruhigeren Phase.

London Calling

Wir müssen jetzt dranbleiben, um bestehen zu können.“ Zu Carreiras Vorteil hat er mit seinem Business­partner, genauer Großgastronom Loh Lik Peng mit seiner Dachgesellschaft Unlisted Collection, eine gute Wahl getroffen. Carreira wird finanziell unterstützt, hat aber ansonsten freie Hand. „Alleine wäre es kaum machbar“, schildert der gebürtige Portugiese die Lage. Dafür ist London zu teuer. Carreira macht keine portugiesische Küche. Seine Kreationen sind lediglich inspiriert durch seine Wurzeln. Seine Produkte bekommt er zu einem sehr großen Teil aus Großbritannien. Seine Technik ist international: „Ich liebe die japanische Küche und ihre Techniken. Fermentieren gehört beispielsweise zu den Dingen, womit ich sehr gerne im Londrino arbeite.“

So kann es auch einmal passieren, dass Carreira mit zwei Essstäbchen und einem beherzten Dreher des Handgelenks die Innereien aus einer Makrele durch den Fischmund holt. „So muss man den Fisch nicht aufschneiden und kann ihn als Ganzes zubereiten.“ Gelernt hat er die Tricks bei befreundeten Köchen und beim Über-die-Schulter-Schauen im Urlaub auf der asiatischen Insel. Dass er sich einmal so sehr für Kochpraktiken und Küchenphilosophien interessieren würde, damit hat der junge Carreira vor 24 Jahren nicht gerechnet. Er hat die Ausbildung auf den Wunsch der Eltern hin begonnen.



HIER registrieren

02.11.2018