Ausgabe 231

Warum immer mehr Spitzeköche auf Bahnhöfen und Flughäfen eröffnen

Claus Meyer, Wolfgang Puck, Jamie Oliver & Co.: Wie Superstars und Branchenkapazunder Bahnhöfe und Flughäfen mit ihren Casual-Konzepten bespielen und zu scheinbar unerschöpflichen Cashcows machen.

Text: Georges Desrues     Fotos: Jérôme Léglise, Yann Deret, Stephan Gladieu, David Griffen Photography, Bernard Touillon, Signe Birck, tetes a claps

Über viele Jahre schlief eines der schönsten Restaurants in der an schönen Restaurants nicht armen französischen Hauptstadt eine Art Dornröschenschlaf. Besucht wurde der Train Bleu in dieser Zeit vorwiegend von eingeweihten Touristen. Sie kamen in erster Linie wegen des atemberaubenden Dekors – und viel seltener wegen der bestenfalls durchschnittlichen und in jedem Fall völlig überzahlten Küche.

Wenn einer eine Reise tut isst er gut

Doch vor Kurzem hat der angesehene Koch und Wirt Michel Rostang das Führerhaus des „Blauen Zugs“ im Bahnhof Gare de Lyon bestiegen und auch speisentechnisch sozusagen wieder auf Schiene gebracht. Seitdem stürmt ganz Paris dieses Juwel von einem Bahnhofsrestaurant aus den Zeiten des vorletzten Jahrhundertwechsels und der Belle Époque, um in den Genuss der gepflegten gutbürgerlichen französischen Küche zu gelangen, die der 2-Sterne-Koch Rostang hier bietet. 

Damit ist der Train Bleu nur das jüngste Beispiel einer ganzen Reihe von französischen Bahnhofsrestaurants, die in letzter Zeit von namhaften Küchenchefs übernommen oder eröffnet wurden. Darunter etwa das L’Etoile du Nord des mit zwei Sternen ausgezeichneten und in seiner Heimat äußerst populären Thierry Marx am Bahnhof Gare du Nord. Oder das Terroirs de Lorraine des ebenfalls doppelt besternten Michel Roth in Metz.

HIER registrieren

22.11.2018