Ausgabe 034, Arbeiten im Ausland

Hong Kong is back!

Die ostasiatische Wirtschaftsmetropole ist nach einer kurzen Flaute wieder ein attraktiver Standort, um zu arbeiten, zu leben und zu staunen…


Fast zehn Jahre ist es nun her, dass die Volksrepublik China mit viel Brimborium die einstige Kronkolonie von Großbritannien übernahm – oder besser gesagt: zurückbekam. Seither hat Hongkong, dessen Name übrigens so viel bedeutet wie „duftender Hafen“, nur wenig von seinem Reiz eingebüßt. Die einzigartige Mischung aus Alt und Neu, fernöstlicher und westlicher Kultur macht die Millionenstadt an der Küste des südchinesischen Meeres nach wie vor zu einer dynamischen, glitzernden Metropole.
Hongkong liegt an der Mündung des Perl-flusses und umfasst eine Halbinsel sowie 235 Inseln, von denen die wichtigsten Hong Kong Island, Lantau und Cheung Chau sind. Das Territorium wird in Hongkong Island, Kowloon, New Territories und die vorgelagerten Inseln unterteilt. Von den rund 1100 Quadratkilometern – dreimal die Fläche Wiens, eineinhalbmal jene Berlins – ist nur etwa ein Viertel urbanisiert, vor allem die New Territories warten mit erstaunlich unberührten Landschaften auf.
Bis ins 19. Jahrhundert war Hongkong ein kleines, unbedeutendes Fischerdorf am Südzipfel Chinas und ein Unterschlupf für Piraten und Schmuggler. Nachdem die Portugiesen im benachbarten Macao bereits einen Handelsposten eingerichtet hatten, gründete die British East India Company gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Hongkong eine Niederlassung. Nachdem Waren aus China in Europa sehr gefragt waren, während die Briten nur wenige Güter an Chinesen verkaufen konnten, begannen sie, Opium einzuführen. Als die kaiserliche Regierung versuchte, den fatalen Opiumhandel zu unterbinden, kam es zum ersten Opiumkrieg, der 1841 mit einer Niederlage der Chinesen endete und zur Besetzung Hongkongs durch die Briten führte. Nach dem zweiten, ähnlich gelagerten Opiumkrieg wurde das Gebiet 1898 zur Kronkolonie und auf 99 Jahre gepachtet.
Durch die Handelsliberalisierungen, die nach den Opiumkriegen durchgesetzt worden waren, entwickelte sich Hongkong zu einer wichtigen Freihandelszone und im 20. Jahrhundert zum Zufluchtsort für ehemalige Monarchisten und Kommunisten. Dennoch stand die Kolonie lange Zeit im Schatten von Schanghai und musste sich 1941 nach zweieinhalb Wochen Kampf den Japanern ergeben. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Hongkong ein Trümmerhaufen, erlebte aber ob seiner freizügigen Wirtschaftspolitik in der Nachkriegszeit den allseits bekannten rasanten ökonomischen Aufstieg.
die Skyline von Hong Kong unter einem bewölkten Himmel mit Bergen im Hintergrund Das brachte mit sich, dass sich die Bevölkerung in den letzten 60 Jahren verzwölffachte und innerhalb von 160 Jahren vertausendfachte – von 7500 im Jahre 1841 auf 600.000 im Jahre 1945 und 7 Millionen im Jahre 2005! Seit 1997 ist Hongkong Teil der Volksrepublik China, wobei im Rahmen der Doktrin „Ein Land, zwei Systeme“ das marktwirtschaftliche System Hongkongs mindestens 50 Jahre neben dem kommunistischen System bestehen bleiben soll. Diese Autonomie erlaubt es Hongkong zwar, seine eigenen Gesetze, Zölle sowie seine eigene Währung zu haben – natürlich mischt sich aber die Regierung in Peking immer mehr in die Innenpolitik ein…
Die Amtssprachen Hongkongs sind Englisch und Kantonesisch, eine südliche Ausprägung des Chinesischen. Das Kantonesische Hongkongs unterscheidet sich wiederum von dem in der benachbarten Provinz Guangdong gesprochenen Kantonesisch dadurch, dass es stark englisch durchsetzt ist. Englisch wird auch generell verstanden, wenn auch nicht unter der älteren Bevölkerung. Hochchinesisch (Mandarin) findet dagegen mehr und mehr Verbreitung – nicht zuletzt durch die aktuelle Einwanderung aus China.

Eine Stadt zum Leben und Erleben

grell leuchtende Marktstraße in China Die Europäer siedelten sich einst am Hang des 554 Meter hohen Hausbergs von Hongkong Island an, den sie nach ihrer damaligen Königin „Victoria Peak“ nannten – heute heißt er einfach nur noch „The Peak“. Von dort hat man den atemberaubendsten Blick auf Hafen und Stadt. Nirgendwo ist das Bauland so teuer wie am Central District genannten Ufer – kein Wunder also, dass die Wolkenkratzer der multinationalen Konzerne in den Himmel wachsen. Das Legco Building ist Sitz von Hongkongs „Parlament“, dahinter ragt das 70-stöckige Hauptquartier der Bank of China mit langen Antennen in den Himmel und direkt am Statue Square opponiert die Hongkong Bank mit einem vom Stararchitekten Sir Norman Foster entworfenen Wolkenkratzer.
Bis heute ist der Western District von Handwerkern und Händlern geprägt, aber auch von kleinen Tempeln entlang der Tai Ping Shan Street und Pound Lane. Man muss nur dem nach Moschus duftenden Geruch der Räucherstäbchen folgen! Die bekannteste Straße ist die Hollywood Road, in der sich ein Antiquitätenladen an den nächsten reiht. Kowloon hingegen gilt als das Paradies der Shopper. Die kilometerlange Nathan Road zieht sich durch die Halbinsel und gilt mit ihren Nebenstraßen als Hongkongs „Goldene Meile“.
Ein wenig Erholung findet man auf den Bänken im Kowloon Park neben der Moschee, der auch mit einem Skulpturengarten, Flamingoteichen, Spielplätzen und dem Hong Kong Museum of History aufwartet. Sehenswert sind sicherlich auch das Cultural Center, in dessen Konzertsaal die besten Orchester der Welt gastieren, sowie das Hong Kong Museum of Art und das Space Museum. Die bedeutendsten religiösen Bauten Hongkongs sind der Wong-Tai-Sin-Tempel mit seinen zahlreichen Wahrsagern, der Tempel der 10.000 Buddhas in der Trabantenstadt Shatin in den New Territories und nicht zuletzt das Kloster Po Lin auf der Insel Lantau.
ein chinesisches Volksfest ist zu sehen, die Einwohner tanzen mit langen Drachen Der öffentliche Nahverkehr in Hongkong ist übrigens ausgezeichnet ausgebaut und auch recht günstig. Ein Auto zu besitzen, ist nicht wirklich nötig, da man fast alle Ziele mit Bus, U-Bahn, Straßenbahn, Fähre oder Taxi erreichen kann. Die Mass Transit Railway (MTR), die U-Bahn, verkehrt auf fünf Linien auf Hong Kong Island, in Kowloon, in den angrenzenden Gebieten der New Territories und auf Lantau. Auch die ein- und doppelstöckigen Linienbusse verkehren auf den viel befahrenen Strecken. Taxis bilden eine attraktive Alternative, jedoch sprechen nicht alle Lenker Englisch – daher ist es vorteilhaft, das gewünscht Fahrtziel in chinesischer Schrift notiert zu haben...
Hongkong ist eine der sichersten Städte der Welt – auch bei Nacht können Menschen ohne Sorge allein spazieren gehen. Straßenkriminalität gibt es so gut wie nicht. Dafür sorgen drastische Strafen und die immerwährende Polizeipräsenz. Und das Ausgehen am Abend kommt hier nicht zu kurz! Lan Kwai Fong (auch kurz LKF genannt) ist eines der drei großen Ausgehviertel, jedenfalls für die Gweilos („Gwei“: Gespenst, „Lo“: Mann; Bezeichnung für die Weißen). Dort gibt es Kneipen und Musikbars, in denen immer etwas los ist. Der zweite Anlaufpunkt für den Abend auf Hong Kong Island ist Wan Chai, wo es vor allem Musikbars und Discos gibt. Zu guter Letzt wartet auch Tsim Shau Tsui (TST) in Kowloon mit einem enormen Nightlife auf.
Das Essengehen ist eines der wichtigsten Rituale in Hongkong – sowohl privat als auch geschäftlich. Die verschiedenen Küchen Chinas (Kanton, Peking, Sichuan, Schanghai), jene anderer asiatischer Länder (Korea, Vietnam, Indonesien, Japan, Indien) sowie der übrigen Kontinente sind allesamt vertreten – oft auch kreativ vermischt. Das Angebot reicht von Straßenverkäufern über Garküchen bis hin zu Nobelrestaurants.

Der vollständige Artikel erschien in der Print Ausgabe des ROLLING PIN.

27.02.2006