Ausgabe 045, Events & Awards

Trettl on Tour: Ikarus-Nacht 2006

Der Executive Chef des Restaurants „Ikarus“ im Hangar-7 in Salzburg schildert an dieser Stelle für gewöhnlich Impressionen seiner kulinarischen Reisen. Diesmal werfen wir aber einen Blick auf die große „Ikarus-Nacht“.


ein Event mit vielen Menschen hinter vielen gestapelten Tellern steht ein Koch Im Monatsrhythmus präsentiert das Restaurant Ikarus im Hangar-7 in Salzburg prominente Küchenchefs aus aller Welt, die ihre Heimat und ihre Restaurants vorstellen. Das Ikarus-Team um Patron Eckart Witzigmann, Gastronomieleiter Manuel Lechner und mich schafft dafür die bestmöglichen Bedingungen, indem ich vorher den Gastkoch besuche und mit ihm alle notwendigen Vorbereitungen treffe. Auch Eckart Witzigmann stattet den Gastköchen für die ORF-Sendereihe „Kulinarische Weltreise“ einen Besuch ab – die Sendungen werden immer am Vormittag des ersten Sonntags eines Monats ausgestrahlt und am Vormittag des darauf folgenden Samstags wiederholt.

Unvergessliche Eindrücke

Die vergangenen Monate hielten für mich wieder unvergessliche Erlebnisse bereit. Ich bereiste Länder, die touristisch ebenso interessant sind wie kulinarisch. Und ich lernte Gastköche kennen, von denen mich jeder Einzelne sowohl menschlich als auch beruflich auf seine ganz eigene Art fasziniert und inspiriert. Mit Dieter Müller, Gastkoch im November 2005, besuchte ich im „Schlosshotel Lerbach“ in Bergisch-Gladbach einen der höchstdekorierten Köche Deutschlands und die Bodyguards von Martha Ortiz Chapa vom „Águila y Sol“ in Mexico City, Gastköchin im Dezember 2005, machten mir klar, was es heißt, in einer der gefährlichsten Städte der Welt ein Restaurant zu betreiben.
Gabriel Kreuther vom „The Modern“ zeigte mir die Verlockungen New Yorks, wo das Angebot so groß ist, dass es fast unmöglich sein muss, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Die indische Küche des Vivek Singh in Londons „Cinnamon Club“ unterschied sich geschmacklich von allem, was ich bis dahin kannte. Gianluigi Bonelli vom „Kee Private Members Club“ demonstrierte nicht nur, wie man beste italienische Küche in Hongkong kreiert, sondern auch, was diese Stadt an Überraschungen bereithält. Und Frank Zlomke vom „Bosman’s Restaurant“ des Grande Roche Hotels Paarl gab mir einen Einblick ins heutige Südafrika.
Robert Feenie vom „Lumière“ zeigte mir sein Vancouver – ich fand die Stadt und ihre Bewohner so toll, dass ich mir gut vorstellen könnte, dort zu leben. Yoshii Ryuichi lieferte mit seinem „Yoshii Restaurant“ den Beweis dafür, dass man auch in Australien hervorragende japanische Küche zuzubereiten versteht. Andrés Madrigal Garcia vom „Balzac“ in Madrid führte mir die Tragweite der kulinarischen Revolution in der spanischen Küche vor Augen und Jin Jie Zhang vom „Green T. House“ in Peking hatte beinahe mehr von einem Popstar als von einer Meisterköchin. Jean-Georges Klein vom Restaurant „L’Arnsbourg“ in Baerenthal, Gastkoch im vergangenen November, verdeutlichte einmal mehr, warum die elsässische Küche einen derart guten Ruf hat, und der Gastkoch im heurigen Dezember, Alex Atala vom „D.O.M.“ in São Paulo, zeigte mir, dass es in Brasilien kalt und gefährlich sein kann, die brasilianische Küche aber umso heißer und liebenswerter ist. Diese beiden Herren werden erst bei der „Ikarus- Nacht 2007“ eine Kostprobe ihres Könnens geben.

Der kulinarische Mega-Event

das Hangar- 7 Team gänzlich in schwarz gekleidet posiert in der "Ikarus Nacht"Die „Ikarus-Nacht“, die heuer am 18. November im Hangar-7 über die Bühne ging, war der abschließende Höhepunkt des Jahres. Da trafen sich die Gastköche der vergangenen zwölf Monate zu einem kulinarischen Flug um die Welt, der ein Großereignis für alle Feinschmecker darstellte. Selten fand man eine derart geballte Ladung an gastronomischer Kompetenz: Zwölf der besten Köche der Welt trafen auch diesmal zusammen, um gemeinsam ein spannendes und vielfältiges Menü zu komponieren und das unvergleichliche Konzept des Ikarus auf eine einzige unvergessliche Nacht zu komprimieren. Nach dem großen Erfolg der „Ikarus-Nacht“ in den Jahren 2004 und 2005 hatten heuer 250 Gäste die Gelegenheit, diese kulinarische Weltreise im exklusiven Ambiente des Hangar-7 mitzuerleben, die durch alle fünf Kontinente führte. Das zwölfgängige Menü umfasste „Cebiche von der Gelbschwanzmakrele mit Ananas, Mango und Koriander“ von Martha Ortiz Chapa, „Green Tea Dumplings mit Vinaigrette von schwarzem Essig“ von Jin Jie Zhang, Sushi und Sashimi vom Feinsten von Yoshii Ryuichi, „Baccalo mit Roter Bete, Joghurt und Herzmuscheln mit Hummus und Olivenöl“ von Andrés Madrigal sowie „Virtuelles Rinderfilet mit Popcorn und Tomaten-Mozzarella“ von Gianluigi Bonelli.
Weitere Höhenflüge für den Gaumen waren „Tatar von Jakobsmuscheln mit Fine de Claire Auster, Zwiebel-Espuma und gehobeltem Parmesan“ von Robert Feenie, „Steinbutt mit Kutteln und Alba-Trüffel im Petersiliensud“ von Juan Amador, „Langostinos mit Perigord-Trüffel-Birnen und Estragonsauce“ von Gabriel Kreuther, „Loup de mer mit Kasundisenf und indischen Gewürzen“ von Vivek Singh, „Kalbsfilet in Provencekräutern mit Kalbskopfragout, Linsen und Balsamicosauce“ von Dieter Müller und „Crêpinette vom Springbock mit Morcheln und Wirsing“ von Frank Zlomke. Das Dessert steuerte ich in Form von „Schokoladentörtchen mit Osietra-Kaviar und Wodka-Zitronensorbet“ bei.
„Die beste Ikarus-Nacht, die es je gab“, schwärmten die Gäste und auch die Gastköche zeigten sich beeindruckt: „Genial“, lobte Robert Feenie und „einfach Weltklasse“, fand Juan Amador den Abend, der durch eine kulinarisch-künstlerische Landung in Russland zusätzlich an Charakter gewann. Nicht nur das Dessert, sondern auch die auftretenden Künstler verbreite-ten russisches Flair: Die am Salzburger Mozarteum ausgebildete Alexandra Mindova verzauberte mit Auszügen aus Opern von Donizetti, Verdi und Puccini und das A-capella-Ensemble StimmLos begeisterte mit der Darbietung einer alten Kosakenweise. Der Genuss stand wie in den vergangenen Jahren wieder im Dienst des guten Zwecks: Sämtliche Einnahmen des Abends – 777 Euro pro Gast – gingen an die vom ehemaligen Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner ins Leben gerufene Stiftung „Wings for Life“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Querschnittslähmung durch intensive Forschung heilbar zu machen.

kontakt:
Restaurant Ikarus
Hangar-7, Wilhelm-Spazier-Straße 7A
A-5020 Salzburg
Tel.: +43 (0) 66 2/21 97-77
Fax: +43 (0) 66 2/21 97-37 86
E-Mail: ikarus(at)hangar-7.com
Internet: www.hangar-7.com

28.11.2006