Ausgabe 073, Porträts

Christian Rachs House Rezept

Er ist der Dr. House der Köche. Christian Rach ist Philosoph, Mathematiker, Sternekoch und er hat immer das richtige Rezept für sterbenskranke Restaurants.


Fotos: Werner Krug

ROLLING PIN.TV Videoreportage

Gerhard Retter nachdenklich im weissen KochgewandHerr Rach hat uns klipp und klar gesagt: ,Was wir hier machen, ist Imbissfraß.‘“ Schock! Und dennoch ist ihm niemand böse. Christian Rach bringt es auf den Punkt. In seiner Sterneküche im Tafelhaus in Hamburg genauso wie in seinem Fernsehhit „Rach, der Restauranttester“. Wo der Rach(e)engel auftaucht, ist etwas am Dampfen. Rach kuriert existenziell bedrohte Betriebe, die sich noch dazu freiwillig melden, im Fernsehen hochgepäppelt zu werden. Seine Fans lieben ihn dafür, rund 7 Millionen pro Sendung und das in Zeiten, wo anderen die Quoten anbrennen. Er hat immer ein Rezept parat, ähnlich wie sein Serienkollege Hugh Laurie alias Dr. House. Der ist allerdings Arzt, hat ein kaputtes Bein, ist schmerzmittelsüchtig – und ein arrogantes Arschloch. Rach hat diese Phase bereits hinter sich. „Ich war ein arroganter Furz“, sagt er. Dabei lehnt er nachdenklich in seinem Hamburger Sternerestaurant Tafelhaus an der enormen Fensterfront, die jetzt Fernsehschirm hinaus zur Elbe ist.

„Ich dachte, ich kann kochen, als ich Student war.“ Als Twen verdiente er in einem kleinen Studentenladen Geld für das Studium, Philosophie und Mathematik. Die große Erleuchtung kam, als Christian Rach mit einer wunderschönen Frau im tollsten Hamburger Lokal essen war. Und mit jedem Gang wurde es ihm immer mehr zur Gewissheit. „Ich kann nicht kochen und das Kochen ist trotzdem mein Leben.“ Sein Studium hängte er nach 12 Semestern an den Nagel, bedauert hat er seine Entscheidung nie. „Für mich war diese Phase eine Art Revoluzzertum.“ Das er auch auslebte, mit Anfang 20 war die Devise: „Lebe wild und gefährlich.“ Und welcher Job hätte da besser passen können. Obwohl Christian Rach seine Küche jetzt nicht mehr wild und rein intuitiv anlegt. Begabung sei natürlich die Basis, „aber nicht zwingend notwendig. Kochen findet im Kopf statt. Wenn man sich keine Gedanken macht, hat man keine Chance.“ Seine Küche sei sehr logisch angelegt, meint er, ohne unnötige Spielereien.

Heute scheint er geläutert, spricht klar, legt jeden Satz mit der Genauigkeit einer mathematischen Formel an. Freundliche Offenheit ohne Koketterie ist seine Würze. Genauso gut könnte Christian Rach Lebenslehrer sein. Was er ja auch in einer Form ist.

Rach ist der Restaurantretter von Häusern, denen das Wasser bis zum Hals steht. „Die Gastronomen sagen immer...

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28.10.2008