Ausgabe 074, Porträts

Vom Krieg zu den Sternen

Er ist Tirols Aufsteiger des Jahres und Garant für orientalisch inspi­rierte RaffinESSEN im Innsbrucker Pavillon. Mansur Memarian über den Krieg, Tim Mälzers Kochkünste und er sagt, woran die Gastronomie krankt.

Mansur Memarian, ernster Blick und Fisch in der Hand

Ich habe als Kind Hunderte Tote gesehen. Jeden Abend ein Bombenangriff war für mich normal wie Auto fahren.“ Mansur Memarian lebte mit seiner Familie in Teheran und wuchs im Iran-Irak-Krieg auf. Seine älteren Brüder überstanden die Killing Fields nur knapp. Auch Mansur hätte eingezogen werden sollen – mit 11! Seine Eltern schickten ihn aber rechtzeitig nach Deutschland. Über ein Jahr verbrachte er im Heim, bis er zu seinem Bruder und seiner Frau Heidi umziehen konnte. Zweihaubenkoch Mansur Memarian (32), Tirols Aufsteiger des Jahres bei Gault Millau, erzählt ruhig, als ob er sich an den letzten Urlaub erinnert. Wir sitzen im Pavillon in Innsbruck, einem Reich aus glitzerndem Glas. Memarian ist der Mann zwischen zwei Welten mit bundesdeutscher Zunge und klassisch persischem Modelgesicht. „Wenn ich zurück in den Iran gehen würde, wäre ich dort mehr Ausländer als hier in Österreich“, meint er. Den Islam sieht er mit Distanz. „Ich halte nicht viel von Religion. Sie ist Grund für Bürgerkriege und wird ausgenutzt, um Macht auszuüben.“ In das Innsbrucker Lebensgefühl hat er sich eingegroovet. Stammgäste laden ihn nach Hause zum Essen ein. Und eine kurze Lederhose hat er, allerdings in Lila gehalten und bisher hat er das freakige „Milka-Leder“ nur beim Oktoberfest ausgeführt.

Früh griff er nach den Sternen...

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18.11.2008