Ausgabe 009, Arbeitgeber im Porträt

Cruise-Line-Jobs

Mehr als nur Service.


zeigt verschwommen eine Dame und verschiedene Cocktail Sorten, darunter einen Martini  Teil 5

Die Kabinen sind bezogen, die Leinen sind eingeholt und der Tachometer klettert der vollen Fahrt entgegen. Die Gäste nehmen ihre erste Mahlzeit ein - der Urlaub hat begonnen und doch beherrschen noch dort und da immer dieselben Fragen die Gespräche: „Woher weiß der Chefkoch, wie viel er braucht? Wie kann es sein, dass immer genug Vorräte an Board sind?“
Wie im Folgenden am Beispiel der Columbus der Hapag Lloyd Kreuzfahrtenflotte erläutert, sind im Hotel- und F&B-Bereich die Voraussetzungen besonders streng. Schließlich will jeder Gast individuell betreut werden und ein gelungener Urlaub hängt bekanntlich nicht zuletzt von einer großen Auswahl an erstklassigen Speisen und einem freundlichen, zuvorkommenden Service ab.

Der Hotelbereich ist grundsätzlich das größte Department auf jedem Kreuzfahrtschiff und unterscheidet sich nur unwesentlich von der Struktur eines Hotels an Land. Die Bereiche sind ähnlich gegliedert, mit den klassischen Abteilungen wie Küche, Service, Rezeption/Administration, Lagerwirtschaft/Controlling, Housekeeping, sowie Beauty Salon/Massage, Boutique und dem Photo Team.
Wohl einer der interessantesten und wichtigsten Berufe im Hotelbereich ist der des Hotel Managers. „Jeder Tag bedeutet eine neue Herausforderung und das macht diesen Beruf so besonders.“ Neben den Kollegen der Schiffsleitung, bestehend aus Kapitän, Kreuzfahrtdirektor, Chief Officer und Chief Engineer, sind die engsten Kollegen eines Hotelmanagers natürlich seine Abteilungsleiter im Hotelbereich, sprich Küchenchef, Maitre, Provision Master, Hausdame und Chief Purser. In täglichen Meetings werden die Tagesabläufe abgestimmt, Flexibilität ist hier sehr groß geschrieben, da man sich auf Schiffen ständig nach Ankunfts- und Ausflugszeiten richtet, sowie auf verschiedenste Länder und Kulturen kurzfristig einstellen muss.

365 Tage im Jahr, egal in welchem Teil der Erde sich das Schiff gerade befindet, muss die Verfügbarkeit der kompletten Produktpalette an Bord gewährleistet sein. Lebensmittel, Getränke, Verbrauchsgüter, Uniformen etc. ergeben eine Anzahl von etwa 2500 verschiedenen Artikeln auf einem Schiff wie der Columbus, die in eigens dafür vorgesehenen Kühlräumen und Lagern aufbewahrt werden. Da ein stetiger Verbrauch stattfindet, müssen die Bestände in ständigen Inventuren überprüft werden, wobei hier alles über ein F&B Programm läuft. Neben der bordseitigen Abteilung ist eine durchorganisierte landseitige Abteilung dafür zuständig, die Bestellungen von Bord zusammenzufassen, Angebote einzuholen, einzukaufen, Container zu beladen und sämtliche Produkte in regelmäßigen Abständen in den Teil der Welt zu schicken, in dem sich das Schiff gerade befindet. Bei den Warenannahmen an Bord, die in regelmäßigen Abständen stattfinden, werden teilweise bis zu 100 Tonnen und mehr an einem Tag übernommen. Frische Produkte wie Obst, Gemüse, Salate, Fisch sowie landestypische Produkte werden selbstverständlich vor Ort gekauft. In manchen Fällen werden Produkte auch eingeflogen.

Eine Dame liegt auf deck eines Schiffs und lässt sich sonnen während ihr die Kellnerin ein Erfrischungsgetränk bringt  Um einen reibungslosen Hotelablauf an Bord eines Schiffes überhaupt gewährleisten zu können, benötigt man natürlich eine gut strukturierte Landorganisation, sprich Hotel Operations. Qualitätsstandards, Abläufe, Einkauf, Controlling etc., also der gesamte Hotelablauf, wird von Land aus organisiert und koordiniert.

Mit der wichtigste Punkt für eine gelungene Reise und zufriedene Gäste ist natürlich der F&B Bereich an Bord jedes Kreuzfahrtschiffes. Neben den täglichen Landausflügen, verbringen die Gäste die meiste Zeit an Bord im Rahmen der Gastronomie. Höchste Qualität der Produkte, Abwechslungsreichtum und ein perfekter Service werden verlangt und geboten. Verschiedene Bars, Restaurants sowie Pooldecks laden zum Verweilen ein. Kulinarisch stellt man sich natürlich auch immer auf das jeweilige Fahrtgebiet ein, lokale Produkte werden gekauft und landestypische Menüs kreiert. Durch langjährige Erfahrung überzeugen die Küchenchefs hier immer mit großer Kreativität. Gelegentlich werden Themenreisen mit verschiedenen Schwerpunkten angeboten, unter anderem auch „Gourmetreisen“, wobei hier bekannte Gastköche, Sommeliers und Käsesommeliers mit an Bord sind, eigene Menüs werden kreiert oder auch informative Vorträge und Shows zum Thema abgehalten.

EIN GANZ NORMALER TAG...

Kein Tag an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gleicht dem anderen. Der Tag beginnt normalerweise zwischen 6.30 - 7.00 Uhr mit einem ersten Rundgang durch das Schiff, um die Frühstücksbuffets in den Restaurants, die offenen Decks sowie Public Räume zu inspizieren, erste small talks mit Gästen und Mitarbeitern werden geführt.
Der Vormittag gestaltet sich in Behörden- bzw. Einreiseprozeduren, verschied-enen Meetings, (zuerst Schiffsleitung und danach Hotel), Organisation und Koordination des Tagesablaufs, administrativen Aufgaben im Büro und natürlich Gästegesprächen.
Ab und zu ist es auch die Aufgabe eines Hotel Managers mit dem Küchenchef und dem Proviantmeister früh morgens oder vormittags lokale Märkte zu besuchen, um frischen Fisch oder ähnliches direkt vor Ort einzukaufen. Mittags folgen dann wieder ein Rundgang auf dem Schiff, weitere Gespräche und abermals administrative Aufgaben.

Nachmittags ist der ideale Zeitpunkt um bei einem Landgang, oder an Seetagen bei einem Buch, zu entspannen. Etwas Freizeit, Bewegung und frische Luft sind sehr wichtig um frische Energie sammeln zu können. Man bereist die schönsten Teile dieser Erde und hat dadurch auch die Möglichkeit fremde Kulturen kennenzulernen und immer neue Eindrücke zu gewinnen. Der späte Nachmittag beginnt mit einem Rundgang an Deck und einer Inspektion der Kaffee- und Teestunde, danach folgen wieder Büroarbeiten. Die Abende sind oft mit Gästebetreuung gefüllt, Teilnahme an Gruppencocktails sowie „hosting“ von Tischen im Restaurant.
Büroarbeiten machen also einen großen Teil der Arbeit eines Hotel Managers aus. Rund um die Uhr müssen sämtliche Pläne, Listen, Menüs, Zeugnisse, Abrechnungen, Inventuren etc. verfasst werden. Alles was von den Abteilungsleitern vorbereitet wird, muss zu guter Letzt vom Hotel Direktor abgesegnet werden, Berichte und Reisepläne müssen geschrieben und abgestimmt werden. verfasst werden.

fünf personen geniessen ein gemeinsames essen auf deck eines schiffes TO GET AHEAD - VOM NIGHT AUDITOR ZUM HOTEL
MANAGER!


Nach einer fundierten Berufsausbildung im Hotelgewerbe oder einem Besuch einer Hotelfachschule ist es Voraussetzung, Erfahrung in verschiedenen Hotelbereichen zu sammeln.
„Ich persönlich genoss eine sehr lehrreiche Ausbildung zum Restaurantfachmann in einem Grazer Hotel mit Besuch der Berufschule in Bad Gleichenberg, sowie eine Ausbildung zum Sommelier. Nach verschiedenen Engagements in österreichischen und deutschen Spitzenhotels und Restaurants begann meine Schiffskarriere 1995 auf der Sea Goddess, danach kamen Royal Viking Sun/Seabourn Sun, River Cloud, Bremen und Columbus. Meine Stationen an Land und zur See waren Chef de rang, Assistant Maitre, Rezeption, Night Auditor, Chef Sommelier, Controlling, Restaurantleiter/Geschäftsführer, Bar Manager, Maitre d´Hotel und nun Hotel Manager“, so Stefan Drevlak.

Natürlich müssen immer wieder einige Kurse besucht und Trainings absolviert werden, wobei diese in der Position als Hotel Manager immer eine Rolle spielen. So ist zum Beispiel Hygiene ein äußerst wichtiger Punkt. Fundiertes Computerwissen sowie Anwendung von verschiedenen Hotel Programmen sind unumgänglich. Charakterstärke ist mitunter sicherlich eine der wichtigsten Voraussetzungen, sowie sicheres Auftreten, Durchsetzungsvermögen, Kommunikationsstärke, Flexibilität, Ruhe und Übersicht.
„Eine gute vorrausschauende Planung im Bereich Einkauf und Warenanlieferung ist Grundvoraussetzung für einen reibungslosen F&B Ablauf an Bord.“
Die Gäste sind teils über mehrere Wochen bis zu Monaten bei den Weltreisen an Bord, täglich werden Frühstück, Lunch, Kuchen zur Teezeit, Abendessen und Spätimbiss angeboten. Es ist äußerst wichtig ein abwechslungsreiches kulinarisches Programm zu bieten, auf landestypische Produkte und Gerichte einzugehen, BBQ´s und verschiedenste Themenbuffets anzubieten. Viele Gäste sind erfahrene Kreuzfahrer und dementsprechend anspruchsvoll.

HOTEL MANAGER AUF DER COLUMBUS„Abwechslung und
höchste Qualität sind hier oberstes Gebot.“


STEFAN DREVLAK, HOTEL MANAGER AUF DER COLUMBUS

Stefan Drevlak, Hotel Manager auf der Columbus der Hapag Lloyd Kreuzfahrten Flotte.

22.03.2004