Ausgabe 097, Arbeiten im Ausland

Schlaflos in Osaka

Karrierekick, Kohle und Karaoke. Wer bereit ist, auf Privatleben, 8 Stunden Nachtruhe und emotionale Ausbrüche zu verzichten, wird in Osaka reichlich belohnt.

Fotos: Shutterstock, Hilton Hotels/Osaka, Hyatt Hotels/Regency Osaka, Westin Hotels & Resorts/Osaka, Miyako Hotels & Resorts/Sheraton Miyako Osaka Hotel, Martin Schulz, beigestellt

Schlaflos in Osaka- Karrierekick

Es kann an dieser Stelle nur geschätzt werden, aber rein gefühlsmäßig kommt auf jeden vierten Einwohner Osakas eine Karaokebar. Und die drittgrößte Stadt Japans hat immerhin 2,7 Millionen Einwohner. Warum das wichtig ist? Aus einem simplen Grund: Diese kleinen Sing-Bars sind der Kitt des täglichen Arbeitslebens. Zählt man zum unteren oder mittleren Management, trinkt man am (reichlich späten) Feierabend mit den Kollegen dort Reiswein und Bier. Hat man sich bis ins hohe Management hinaufgearbeitet, schließt man in diesen Bars die wahren Geschäfte ab. Manager schlüpfen in Rentier- oder auch Han-Solo-Kostüme, singen und handeln die Deals aus. Danach verbeugt man sich höflich und weiß, dass man sich keine Sorgen machen muss. Denn was abgemacht wurde, hält – die Ehre der Japaner verbietet es, jemanden über den Tisch zu ziehen.

Diese Tatsache ist auf ganz Japan umzulegen, was spricht also für Osaka im Gegensatz zu Tokio, der pulsierenden Metropole Nippons? Osaka ist von jeher das wirtschaftliche Zentrum der Insel und setzt im Moment voll auf die Entwicklung von Robotertechnik. Ein Plan, der aufgeht und so mehr und mehr Business in die Stadt holt. Zudem plant das Japan-Tourismboard, bis 2016 jährlich 30 Millionen Besucher in das Land zu holen – eine Verdreifachung der Vorjahreszahl.

Zieht man diese beiden Tatsachen in Betracht, bedeutet das eine gesteigerte Nachfrage an Fachpersonal in der Hotellerie und Hotelgastronomie. Kei Matsumoto, Personal Manager des Hyatt Regency in Osaka, weiß von der Notwendigkeit europäischer Führungskräfte: „Um dem strukturellen Wandel der Gäste und der steigenden europäischen Klientel gerecht zu werden, braucht es das passende Personal in der leitenden Ebene. Das ist logischerweise aus Europa, zurzeit leiden wir aber an einem gravierenden Mangel.“

So vielversprechend Osakas Arbeitsmarkt nun klingen mag, es ist nicht leicht, einen...

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12.07.2010