Ausgabe 153, F&B Know-how

Blattgeflüster

Heiße Ware! Wie Tee sich den Weg in Kannen und Küchen bahnt - der Siegeszug der Aromenbombe.

Aromenbomben
Fotos: Werner Krug, Wolfgang Hummer, Aiya Europa

Manchmal ist der Zufall eben doch der beste Koch. 2737 v. Chr. ereignete sich ein ebensolcher in China, wo der damalige Kaiser Shennong unter einem Baum sitzend darauf wartete, dass sein Kochwasser endlich im Kessel zu sprudeln beginnen möge. Die ermüdende Warterei führte zu einem Nickerchen, und als Shennong wieder erwachte, waren Teeblätter in seinen Kessel gefallen. So weit zur angeblichen Entstehungsgeschichte des nach Wasser am meisten konsumierten Getränks der Welt. Seit des Kaisers Zeiten und der Einführung von (Grün-)Tee nach Europa im 17. Jahrhundert hat sich Camellia ­sinensis ganz schön gemausert – wurde im alten China und in Japan die Teepflanze insbesondere für ihre gesundheitsfördernden Aspekte geschätzt, mutiert Tee heute mehr und mehr zum Lifestyle-Getränk.

Dem Varianten- und Sortenreichtum sind mittlerweile kaum Grenzen gesetzt, in rund 30 Ländern werden heute die nach Art der Herstellung und Weiterverarbeitung klassifizierten Hauptteesorten Weißer Tee, Gelber Tee, Grüner Tee, Oolong und Schwarztee angebaut. Kenia, China, Sri Lanka und Indien sind die Hauptproduzenten des edlen Blattes, rund fünf Tonnen werden jährlich weltweit auf den Markt gebracht. Angesichts des Potenzials, das Tee in puncto Aromen- und Sortenvielfalt zu bieten hat, verwundert es umso mehr, dass dem heilbringenden, wohlschmeckenden Pflänzchen in der Gastronomie immer noch gemäß dem Gesetz der unkommentierten Teebeutel-Strangulation zu Leibe gerückt wird. Teegenuss definiert sich demnach über die unrühmliche Kombination von Heißwasserkännchen plus nicht weiter definiert gefülltem Teebeutel plus Service ohne Auskunft über Ziehzeiten & Co.

Aber es gibt auch zwei gute Nachrichten: Erstens wächst...

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14.11.2015