Ausgabe 150, Porträts

Avantgarde Entrümpler

Im steirischen Straden erfindet der 22-jährige Harald Irka sich und ein Stück weit auch die österreichische Hochküche neu. Wie? Jedenfalls nicht wie René Redzepi.

Harald IrkaFotos: Wolfgang Hummer, Shutterstock

Dass der gemeine Homo sapiens sich zeit seines Lebens von einem Vorurteil zum nächsten hantelt, ist keineswegs eine evolutionäre Laune oder, schlimmer noch, eine schlicht fiese charakterliche Ausprägung. Objekte, Ereignisse und Vorstellungen in Kategorien zu stecken, hilft uns vielmehr dabei, die Welt zu ordnen. Die Orientierung zu behalten. Danach strebt ein Großteil der Menschheit, weil er wohl im tiefsten Grunde seines Herzens gar nicht so wahnsinnig auf Überraschungen steht. Ein gewisses Maß an kategorischer Verwirrung muss jedenfalls in Kauf nehmen, wer herausfinden möchte, was ein 22-Jähriger namens Harald Irka da an einer der Gourmetjournaille durchaus bekannten südoststeirischen Adresse wirklich treibt. Konkret am von sämtlichen Gourmetkritikern schonungslos abgefeierten Herd der Saziani Stub’n in Straden.

An Mythen, die sich um seine galaktische Performance ebenda rankten, mangelte es ja in den vergangenen zwölf Monaten nicht. Österreichs Antwort auf René Redzepi sei Irka, ließ irgendjemand mal die Öffentlichkeit wissen. Unweigerlich taten sich diffuse Bilder von zähen Tannenwipfeln, in die man seine Zähne würde schlagen müssen, auf. Von bis zur Unkenntlichkeit reduziert angerichteten Tellern, leicht angekokelten Wiesenkräutern, rohen fermentierten Hühnermägen. Sonderlich gesprächig sei er auch nicht, ein bisschen...



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14.11.2015