Ausgabe 161, Porträts

Big, Bigger, bains

Englischer Quarter pounder, scharf wie indisches Curry und Rau wie das Wetter in Nottingham: Sat Bains ist eine Stoische naturgewalt. Vor allem in der Küche.

 Sat Bains Fotos: Shutterstock, Helge Kirchberger / Red Bull Hangar-7, Rutger Pauw /
Red Bull Hangar-7, Quelle: www.deutschesee.de


Disziplin, Kreativität und fuck. Diese drei Worte würden prinzipiell ausreichen, um Satwant Singh „Sat“ Bains zu beschreiben. Weil die in einer gewissen Regelmäßigkeit, so etwa in jedem fünften Satz, vorkommen und er genau so tickt. Wobei er das F-Word nicht wie andere britische Köche einsetzt, um andere damit medienwirksam zu beflegeln, sondern er unterstreicht damit für ihn wichtige Dinge. Wie Kreativität, fuck. Ohne die geht nämlich mal gar nichts. Weiß man ja, aber Kreativität ohne Disziplin? Fuck, sicher nicht. Deswegen gibt es bei Sat Bains jede Woche zwei fixe Meetings: Am Dienstag wird ein Thema vorgelegt, zu dem sich seine Crew – vom Commis über die Stagiaire und bis zum Küchenchef – bis Freitag ein Gericht überlegen muss. Die Vorgabe von Sat reicht dabei von „Hey, Spargel kommt rein. Was können wir tun?“ bis „Ich will ein Gericht, das an Sommer erinnert“. Und jeder liefert ab – wobei die Option, es nicht zu tun, nicht existent ist.

Und auch wenn Sat einer der geerdetsten Typen hinter dem Herd ist, auf eine Diskussion möchte man sich mit ihm nicht unbedingt einlassen. Er weiß, was er will, und das bekommt er auch. Mit 43 Jahren und nach 20 Jahren im Business brauche er sich nicht erst zu finden. Er wisse schon genau, was er will. Gerne kann man mit Alternativen kommen, aber nur wenn die Anforderung, die er gestellt hat, zeitgleich auch in Perfektion abgeliefert wird. Er macht dabei nicht den Eindruck, als müsse er das zweimal sagen. Was eventuell auch ein wenig mit seiner Statur zu tun hat, die eher einem Bulldozer gleicht – und sein Mundwerk...

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14.11.2015