Ausgabe 149, Porträts

Die Berührbare

Aromenkönigin, Kreativer Freigeist und posenbefreite Ausnahmeköchin: Tanja Grandits ist die höchstdekorierte Küchenheroine der Schweiz – und erfrischend nah bei sich selbst.

Tanja GranditsFotos: Wolfgang Hummer

Gott weiß, wie viele Journalisten schon die Treppen der schmucken Villa auf dem Baseler Bruderholz emporgestiegen sind, in Erwartung des Engelsgleichen, Unschuldigen, dieses femininen Extras. Lässig werden Klischees wie kleine Wachtel-Lollis im Oberstübchen hin und her geschupft, biografische Puzzlesteinchen fein säuberlich gruppiert, die in der Spitzengastronomie so heiß geliebten Schubladen gefüllt. Ist man dann endlich angekommen im elegant-puristischen Eingangsbereich des Stucki Basel, fühlt man sich irgendwie vorbereitet. Auf Tanja Grandits. Die Frau mit den zwei Michelin-Sternen, die Chefin, europäische Gewürzpäpstin, Kolumnistin und Kochbuchautorin, die Mutter und Ehefrau, die Pink liebt und auf Fotos immer lächelt.

Und dann plötzlich kommt er, dieser Moment, in dem man erkennt, dass man völlig daneben gehauen hat mit seiner Einschätzung. Und dass Scheitern wirklich verdammt schön sein kann. Weil Überraschung eben noch immer der einzig angemessene Zustand ist, und Frau Grandits im Laufe dieses Nachmittags deutlich machen wird, dass ihr Repertoire daran größer ist, als die Schuhschränke der Sex-and-the-City-Darstellerinnen.

Tanja Grandits mag eine zierliche Person sein, aber in puncto Ausstrahlung nimmt sie es bereits nach dem ersten Händedruck locker mit dem Dalai Lama am einen Ende der Skala und Angela Merkel...

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14.11.2015