Ausgabe 155, Porträts

Ultraregionales Landei

Kobe Desramaults gilt als Erlöser der belgischen Küche. Wie der Sterne-Küchen-Farmer Lokal-Patriotismus neu definiert.

Kobe Desramaults Fotos: Wolfgang Hummer

Dranouter liegt am Arsch der Welt. Ein kleines, unscheinbares Kaff in Flandern direkt an der französischen Grenze. Auf dem Weg in die verschlafene 700-Einwohner-Gemeinde tuckert man an glücklich grasenden Rindern und wilden Brombeersträuchern vorbei. Dennoch hat es dieses charmante Kuhdorf mittlerweile zu weltweitem Ruhm geschafft: Zum einen rocken dort einmal jährlich Zigtausende Musikfans beim international beliebten Folkfestival Dranouter ab, zum anderen kocht hier Belgiens Küchen-Jesus Kobe Desramaults seine Jünger in Ekstase.

Dieser smarte mit Dreitagebart ausgestattete Typ bringt nicht nur offensichtliche Messias-Qualitäten mit, nein, er hat auch maßgeblich dazu beigetragen, die belgische Küche ins internationale Fine-Dining-Rampenlicht zu erlösen. Denn wenn man schon kategorisieren muss, dann gehört sein Restaurant In de Wulf definitiv in eine Reihe mit dem noma und dem Oud Sluis. „Das noma-Konzept war ein globaler Schlag ins kaviarverschmierte Gesicht der Gourmetwelt.

Wir haben doch alle die ganze Zeit immer auf französische Größen wie Michel Bras geschielt, aber nie überlegt, dass wir das doch ganz einfach auf unsere regionalen Gegebenheiten ummünzen müssen“, schildert Desramaults sein persönliches Schlüsselerlebnis. „Wenn man ehrlich ist, musste man doch noch vor zehn Jahren rund um die Welt den gleichen austauschbaren Haute-Cuisine-Fraß ordern...

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14.11.2015