Angst vor Skorbut: Australien hat lockere Zähne

93 Prozent der Australier essen zu wenig Obst und Gemüse. Die Folge: Vitamin-C-Mangel. In Australien fürchten sich Fast-Food-Liebhaber vor wackeligen Zähnen: Denn Forscher sagen: Skorbut ist nicht mit dem 18. Jahrhundert ausgestorben.
Dezember 12, 2016

Vitamin-C-Mangel ist für die Krankheit Skorbut verantwortlich

Gans, Braten oder Steak: Beim Festtagsmenü lassen wir es ordentlich krachen. Aber kannst du dich daran erinnern, wann du das letzte Mal Gemüse gegessen hast? In Australien wissen es 93 Prozent der Bevölkerung vermutlich eher nicht.

Skorbut – das ist die Krankheit, die Seefahrern ohne Zugang zu frischem Obst und Gemüse das Leben schwer und die Zähne locker gemacht hat – ist längst nicht ausgestorben: In Australien haben Forscher des Forschungszentrums für Diabetes, Adipositas und Endokrinoliogie am Westmead Institute in Sydney herausgefunden, dass gut ein Dutzend Patienten im Westmead-Krankenhaus in Sydney kürzlich mit Skorbut diagnostiziert wurde. In der Fachzeitschrift Diabetic Medicine berichtet Prof. Jenny Gunton über die Krankheit, die sie entdeckte, als sie eine Patientin mit einer Wunde am Bein behandelte, die nicht verheilen wollte.

Skorbut ist eine Folgeerkrankung eines Vitamin-C-Mangels. Der Körper kann daraufhin kein Kollagen mehr produzieren. Wie oben erwähnt war sie im 18. Jahrhundert unter Seefahrern sehr weit ausgebreitet – und mit Sauerkraut als einfach zu lagernder Vitamin-C-Lieferant bekämpft, wurde aber heute in Industriestaaten so gut wie nicht mehr diagnostiziert.

Die Forscherin Gunton fügte hinzu, dass jeder, der sich von zu wenig Obst und Gemüse ernährt, Skorbut bekommen könnte. In einem Interview mit dem Nachrichtensender BBC berichtet sie: „Es gibt keine konkrete Verbindung zu Diabetes. Außer dass man bei einer schlechten Ernährung auch ein höheres Diabetesrisiko hat. Aber natürlich gibt es auch Diabetespatienten, die sich absolut gut ernähren.“

Weil es keine Statistiken über die Krankheit gibt und auch Ärzte keine Untersuchungen dazu durchführen, wird angenommen, dass Skorbut in Australien weiter verbreitet ist als gedacht. Laut der Australian Associated Press (AAP) wurde in der Fachzeitschrift Nutrition & Dietetics erst kürzlich eine Studie veröffentlicht, die berichtet, dass nur sieben Prozent aller Erwachsenen in Australien die empfohlene Tagesmenge Gemüse essen.

Reetica Rekhy, die Autorin der Studie, sagte der AAP: „Wenn wir nicht das essen, was wir essen sollten, spiegelt sich das in unserer Gesundheit wieder und all diese Erkrankungen [wie Skorbut] werden auftreten bzw. wieder auftreten.“

Gunton rät zur Vorbeugung der Krankheit: „Essen Sie Obst, essen Sie Gemüse – und kochen Sie das Gemüse nicht zu lang. Wenn Sie das nicht hinbekommen, nehmen sie eine Vitamin-C-Tablette pro Tag. Eine gesunde Ernährung ist jedoch die bessere Lösung.“

Also beim nächsten Festessen lieber einmal mehr zur grünen Beilage greifen – sonst blutet das Zahnfleisch.

www.westmeadinstitute.org.au

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