Guide Michelin: Spitzengastronomen kritisieren grünen Stern

Sowohl in Deutschland als auch in Dänemark hagelt es Kritik am grünen Macaron. Tatsächlich stellt sich die Frage: Wie glaubwürdig ist er?
März 4, 2020 | Fotos: Monika Reiter

Was ist der Kern der Kritik?

Die internationale Spitzengastronomie hegt Zweifel an der Integrität der „grünen Sterne“, mit denen der Guide Michelin neuerdings auf der Nachhaltigkeitswelle reitet. Kern der Kritik: Wie und woher sollen die anonymen Tester wissen, wie nachhaltig – vulgo: grün – ein Restaurant tatsächlich ist? 

Billy Wagner, Nobelhart & Schmutzig
Billy Wagner kann den Bewertungsmechanismen rund um den grünen Michelinstern nicht sonderlich viel abgewinnen.

Was kritisiert Billy Wagner vom Nobelhart und Schmutzig?

Billy Wagner, Inhaber des Berliner Einsterners Nobelhart & Schmutzig, hinterfragt die Stichhaltigkeit dieser grünen „Auszeichnung“. In einem Videopost auf Facebook heißt es wörtlich: „Natürlich, ich rede viel. Ich rede viel über regionales Essen, über die Zusammenarbeit mit kleinen Produzenten, über alte Hühnerrassen und so weiter“, so Wagner. „Aber was ist mit den Restaurants, die genauso nachhaltig sind, deren Inhaber aber bei weitem nicht so laut sind wie ich?“, fragt Wagner. „Seid ihr sicher“, so Wagner in Richtung Guide Michelin weiter, „dass ich nicht einfach nur ein Großkotz bin? Habt ihr das alles nachgeprüft? Seid ihr sicher, dass ihr uns nicht lediglich für nettes, grünes Marketing auszeichnet?“

Fragen, die es für Michelin gewiss in sich haben – und die Wagner auch gleich mit einer konkreten Forderung verbindet: „Für eine echte Nachhaltigkeitsauszeichnung müsst ihr hinter die Kulissen schauen und die gesamte Lieferkette nachprüfen“, so Wagner, der daraufhin einen Appell an den Direktor des Guide Michelin Deutschland und der Schweiz, Ralf Flinkenflügel, richtet: „Ich würde Sie, Herr Flinkenflügel, gerne einladen, um uns tagsüber zu besuchen, um mit uns darüber zu sprechen und wirklich zu verstehen und zu fühlen, was wir hier machen, um dann zu sehen, welche Probleme wir weiterhin haben und was wir bis jetzt auch erreicht haben.“ 

Was sagt Christian F. Puglisi vom Relae?

Ebenfalls des Greenwashings bezichtigt den Guide Michelin der Spitzenkoch Christian F. Puglisi vom Kopenhagener Einsterner Relae. In einem Videoposting bemängelt er am grünen Macaron, dass die Verleihung desselben „respektlos gegenüber jenen in der Industrie ist, die die derzeitigen Herausforderungen auch wirklich ernst nehmen“.

 

Spielt Puglisi damit auf schwer nachvollziehbare grüne Macarons für, sagen wir, Alain Ducasse an? „Bitte, sagt mir“, fragt er in Richtung des Guide Michelin, „werde ich lange genug leben, um zu sehen, wie wir beginnen werden, die Welt besser zu machen?“ 

Der Guide Michelin hat bislang weder eine Antwort auf Puglisis Frage, noch auf Billy Wagners Einladung gegeben.

Alle Infos zum Guide Michelin Deutschland 2020 gibt es hier.

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