Kettenreaktion im Schlachtgewerbe: Schweine-Staus sorgen für Horrorszenario

Schweine-Rückstau: Durch die mehrwöchige Zwangsschließung von Tönnies setzt die gesamte Fleischbranche unter Druck – mit fatalen Auswirkungen.
Juli 21, 2020 | Fotos: Shutterstock

Der Fleischkonzern Tönnies hat dem Nervenkostüm der Mitarbeiter und der deutschen Politiker in den vergangenen Wochen einiges abverlangt. Tausende Corona-Infizierte im Unternehmen sorgten bis über die nationalen Grenzen hinweg für Aufsehen und mächtig Furore. Darüber hinaus setzt der Corona-Massenausbruch aufgrund katastrophaler Arbeits- und Wohnbedingungen die gesamte Fleischbranche unter Druck.

Rückstau in der Fleischindustrie

Während die Benachteiligung von ausländischen Werkvertrags- und Lohnarbeitern in der Fleischindustrie bei zahlreichen Debatten für Brennstoff sorgte, gerät das Gleichgewicht des Fleischmarktes zunehmend aus den Fugen. Die Fleischindustrie steht massiv unter Beschuss. Durch das Corona-Inferno bei Tönnies wurde das Hauptaugenmerk auf die fatalen Wohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter und auf das mangelhafte Hygienekonzept gelegt. Doch auch andere folgenschwere Auswirkungen werden sichtbar: Bei zahlreichen Bauern liegen die Nerven blank. In den überfüllten und engen Ställen schrillen aufgrund des Schweine-Rückstaus die Alarmglocken, wie der ORF berichtet.

Platznot in Ställen

Wie weitreichend die Folgen tatsächlich sind, lässt sich anhand folgender Zahlen veranschaulichen: Laut dem Ö1 Morgen-Journal werden täglich 20.000 bis 25.000 Schweine in der Fleischfabrik Tönnies verarbeitet.

Die gravierenden Auswirkungen der wochenlangen Zwangsschließung auf die gesamte Fleischbranche: Normalerweise werden die Tiere in regelmäßigen Abständen geschlachtet und schaffen dadurch Platz für die nachkommenden jüngeren Ferkel. Da dieser Vorgang aufgrund der Schließung des Tönnies-Werkes nicht aufrechterhalten werden konnte, werden die Kapazitäten, welche den Bauern für die Unterbringung der Tiere zur Verfügung steht, immer enger.

„Normalerweise sind hier in dieser Bucht 15 Tiere drinnen, aber wir konnten hier nicht mehr Ferkel einstallen, weil auf der anderen Seite noch die Mastschweine da sind“, gibt der Landwirt Christoph Selhorst im Ö1 Morgen-Journal zu Bedenken. „Jetzt sind hier 23 Ferkel drinnen und wir bekommen ein Tierschutzproblem – die Ferkel haben zu wenig Platz.“

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Führt die Zwangspause von Tönnies die Schweinebauern in den wirtschaftlichen Ruin?

Ab wann werden es einfach zu viele Schweine?
Bauer Florian Hollmann stellt eine der aktuell brennendsten Fragen der Fleischindustrie

„Mit den Schweinen, die eigentlich schlachtreif sind, aber nicht geschlachtet werden können, schiebt man so eine Art Bugwelle vor sich her“, erklärt Bauer Florian Hollmann, ein Zulieferer von Tönnies, gegenüber dw.com. „Die Welle baut sich immer weiter auf. Und ich frage mich: Wann schwappt die Bugwelle ins Schiff rein? Also wann werden es einfach zu viele Schweine?“

Trotz Corona: Produktionsband läuft weiter

Aber auch in den Ställen von Heinrich Gabriel aus Höxter mit 2900 Mastplätzen stauen sich zunehmend die Schweine. „Die Tiere werden bei unserem Züchter ja weiterhin geboren – das können wir nicht verhindern. Das Produktionsband lässt sich nicht einfach in wenigen Wochen abstellen“, berichtet der Landwirt in einem Gespräch mit FOCUS Online.

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„Die Tiere werden bei unserem Züchter ja weiterhin geboren – das können wir nicht verhindern. Das Produktionsband lässt sich nicht einfach in wenigen Wochen abstellen“, so Gabriel gegenüber FOCUS Online.

Hinzu kommt das Problem, dass den Tieren gesetzlich eigentlich eine Fläche von 0,75 Quadratmetern zusteht. Da der Tönnies-Skandal die Mastkette ins Wanken bringt, kann den Tieren der Platz in vielen Fällen nicht garantiert werden, wie der Bayrische Rundfunk berichtete.

Doch nicht nur der Platz in den Stallungen wurde enger: Landwirte, die ihre Tiere an Tönnies verkaufen, müssen versuchen, alternative Abnehmer zu finden. Sollte ihnen das misslingen, werden die Bauern ihr Fleisch nicht los.

Droht den Schweinebauern der wirtschaftliche Ruin?

„Der Handel verlangt genormte Schweine, bestenfalls mit einem Schlachtgewicht von 85 bis 100 Kilogramm“, so Heinrich Gabriel gegenüber FOCUS Online weiter. Da die Schweine aufgrund der Schließung von Tönnies länger leben und dadurch das Idealgewicht überschreiten, bekommen Landwirte weniger Geld für ihre Tiere. Zudem müssen die Tiere weiterhin versorgt und gefüttert werden, was wiederum zu Buche schlägt.

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Führt die Zwangspause bei Tönnies die Schweinebauern in den wirtschaftlichen Ruin?

Finanzieller Schaden im fünfstelligen Bereich

Aber auch der Schweinepreis sinkt täglich. „Bei einem LKW mit 170 Tieren, diese Woche mit je 145 Kilo, beläuft sich der Schaden auf etwa 10.000 Euro“, gibt Henrik Albers aus dem Hamburger Umland im Ö1 Morgen-Journal bekannt.

Wie und in welche Richtung sich die prekäre Situation der Landwirte in den nächsten Wochen entwickelt, bleibt abzuwarten.

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