Ausgabe 160, Konzepte & Openings

Konzept im Porträt – Balls

Lebensveränderung durch gerolltes Hackfleisch: wie zwei Pariser Twens ihren Alltag und den der französischen Hauptstadt-Foodies mit einem Griff in die Kindheitserinnerungskiste gehörig auf den Kopf stellen.


Balls-gerolltes HackfleischFotos: Balls

Wenn eine Fotoagentin und ein Unter­nehmer, der sich auf Apps Foodkonzept Ballsspezialisiert hat, ihre kulinarischen Kindheitserinnerungen zu einem Restaurantkonzept ummodeln, ergibt das Fleischbällchen für alle, die in Paris auf der Suche nach Wohlgefühl à la Mamas Küche sind. Das Resultat heißt BALLS und ist ein Restaurant im Osten von Paris, in dem ohne Fleischwolf gar nichts geht: Hackbällchen in verschiedensten Ausführungen und individuell gewählter Kombi­nation aus diversen Beilagen und Saucen bringen dort die Nachbarschaft an den Tisch.
Angefangen hat die Geschichte ganz unschuldig: Wenn sie Feierabend haben, kochen Salomée Vidal und Jérémie Kanza gerne. Wie bei so vielen Mitt- und Endzwanzigern, sie ist 26, er 29, sind auch hier Rezepte aus der Kindheit ein Dauerbrenner, die Seele und Körper gleichermaßen satt machen. Beide sind mit Fleischbällchen groß und stark geworden – nach getaner Arbeit in der Kreativbranche wird also gerollt, was das Zeug hält. Das spricht sich auch im Freundeskreis herum und die beiden merken, dass das Ergebnis ihre Freude am fröhlichen Hackfleischformen auf viel Gegenliebe stößt. Ab da – wir schreiben den März 2013 – wird nicht lange gefackelt: „Das Leben ist kurz, also haben wir beschlossen, alles aufzugeben und BALLS zu gründen.“
Als Location kommt nur etwas im aufstrebenden Osten von Paris infrage. Dort wohnen die beiden und kennen Nachbarschaft und potenzielle Klientel ganz genau. Es dauert nicht lange und Anfang Oktober 2013 hat das Projekt auch schon eine Adresse: Rue Saint-Maur 47. Salomée Vidal sorgt für die Gestaltung des kleinen Ladens, der mit 35 Plätzen – die Bar ist da schon eingerechnet – ein Ort sein soll, an dem sich jeder wohlfühlen kann, einfach aber einladend. „Den Trend, Restaurants wie ein Designmuseum auszustatten, wollten wir vermeiden. Die Qualität der Gerichte und das Gesamterlebnis sind und bleiben unser Fokus“, erklären die Neo-Gastronomen.
Dieser Fokus hat eingeschlagen: Zu Hip-Hop-Klängen mixt und matcht die Klientel die präferierten Hack­bällchen mit den Beilagen des Begehrs. Fünf einzigartige Balls, eine Sorte davon vegetarisch, fünf verschiedene Beilagen und diverse Saucen sorgen dann mit französischem Bier, hausgemachten Cocktails oder Wein für nonchalante Feierabendstimmung. Und die Seele wird bei der Erinnerung an Mamas Küche auch noch gestreichelt ... Schöner lässt sich aus guten Kindheitserinnerungen kein Geschäft machen!

BALLS

www.ballsrestaurant.com
14.11.2015