Ausgabe 153, Konzepte & Openings

Konzept im Portrait - Anders-Esser

Jasmin Wieninger bedient in ihrem Restaurant Destina eine Zielgruppe, bei der sich den meisten Küchenchefs die Nackenhaare sträuben: Gourmet-Sonderlinge.


Foodkonzept Destina Fotos: Restaurant Destina Schicksal ist das, was man daraus macht. So lautet wohl das Lebensmotto von Jasmin Wieninger. In der Gastro-Szene Münchens ist die 40-Jährige keine Unbekannte. Ein Gastro-Profi. Und Krebspatientin. Wieninger nahm ihre Erkrankung zum Anlass, erst ihre Ernährungsgewohnheiten radikal zu verändern. Und dann die Münchner Gastronomielandschaft. Mitte 2013 eröffnete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann das Destina am Maximiliansplatz. Auch aus egoistischen Motiven, wie sie gesteht: „Für mich wurde der Restaurantbesuch nach der krankheitsbedingten Ernährungsumstellung zum Spießrutenlauf“, erzählt Wieninger, die strenge Grünzeug- und Eiweiß-Diät hält. „Ich war einfach müde, immer nachfragen zu müssen, ob die Küche dies und jenes nicht anders zubereiten könne.“

Also schritt sie selbst zur Tat. Kaufte das Restaurant Baracca, an dem sie Anteile gehalten hatte, aus der Insolvenzmasse. Ersetzte das Tablet-Bestellsystem wieder durch echtes Servicepersonal und erarbeitete gemeinsam mit Küchenchef Pino Ciniglio Gerichte für Menschen, die aus Überzeugung oder Notwendigkeit einen ernährungstechnischen Sonderstatus genießen. Glutenfrei, laktosefrei? Metabolic, Low Carb, Trennkost? Allergiker, Vegetarier? Im Destina gelingt es Wieninger, allen Zielgruppen gerecht zu werden. Speziell auf die einzelnen Ernährungsstile zugeschnittene Menüs sucht man auf der Karte zwar vergeblich, dafür sind alle Inhaltsstoffe der Gerichte ausreichend gekennzeichnet. Und sollten dennoch Fragen offen sein: Hier wird man dafür vom Servicepersonal ganz bestimmt nicht schief angesehen.

Auf den Einsatz gluten- und zuckerhältiger Fertigprodukte wird im Destina natürlich gänzlich verzichtet, Handarbeit ist in der Küche Trumpf. „Unser Personalstand ist schon etwas höher, aber anders ließe sich das Konzept nicht authentisch umsetzen“, meint Wieninger. Auf Personal wird also nicht verzichtet, darauf, dem Gast diesen Mehraufwand überzogen in Rechnung zu stellen, jedoch schon. Die Preise sind angesichts der gebotenen Qualität moderat. Damit die Kasse des 600 Quadratmeter großen Lokals trotzdem stimmt, eröffnet Wieninger 2014 auch ein Take-away. Der angepeilte Umsatz für das erste Geschäftsjahr ist jedenfalls ehrgeizig. „Drei Millionen Euro wären schön“, wagt Wieninger eine vorsichtige Prognose. Die Chancen stehen wohl ganz gut ...

Kontakt

Restaurant Destina

www.destina-muenchen.de
14.11.2015