Marco Pierre White: Sind Frauen in der Küche zu emotional?

Marco Pierre White spricht in einem Interview Klartext zu Geschlechterrollen in der Küche. Sind seine provokanten Aussagen zum Thema Frauen nur Show?
September 9, 2019 | Fotos: Marco Pierre White / Humble Pie

Marco Pierre White hat es schon wieder getan: Der englische Starkoch fällt nur allzu gerne mit provokanten Aussagen auf. In diesem Fall hat er sich gleich mit der gesamten Gleichberechtigungsbewegung angelegt. In einem Interview mit dem Irish Independent sprach er vor Kurzem über das unterschiedliche Verhalten von Männern und Frauen in der Küche. Dass seine Aussagen vor dem Hintergrund der aktuellen Gender-Debatte für einen Eklat sorgen, verwundert wenig. Konkret ging es bei dem Aufruhr wohl um folgenden Satz:

„Das wirklich Positive an Männern ist, dass Männer den Druck besser aufnehmen können, das ist der Hauptunterschied, weil sie nicht so emotional sind und die Dinge nicht persönlich nehmen.“

Während besonders dieses Zitat provoziert, relativieren weitere Auszüge aus dem Interview seine Meinung zu Frauen in der (Sterne-)Küche. Und man muss sich fragen: Ist das wirklich Whites Meinung oder tut er kontroverse Dinge kund, um mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen?

Marco Pierre White
Marco Pierre White sorgte unlängst mit seinen Aussagen über Frauen in der Küche für Furore.

Männer: schneller, stärker, vom Ego getrieben

Denn abgesehen von den zu erwartenden Kommentaren fällt die Kritik am vermeintlich schwächeren Geschlecht gering aus. So erklärt White, dass Frauen dazu tendieren würden, einen besseren Geschmack zu haben, „weil sie einen besseren Geruchssinn haben“. Außerdem „sind sie konsequenter als Männer, wenn es ums Kochen geht, denn sie respektieren das Haus mehr, sie machen ihre Arbeit. Sie sind vielleicht nicht so schnell, sie sind physisch vielleicht nicht so stark“, aber er sagt, „sie sind sehr konsistent mit ihrer Performance, [während] ein Mann versuchen wird, sie wegen seines Egos zu ändern“.

Die Sache mit der physischen Stärke musste der Starkoch dann doch noch ein wenig ausführen:

„Schau dir die Größe mancher Pfannen an, die du herumtragen musst. Glaubst du wirklich, dass eine Frau da jemanden um Hilfe bittet?“

Seine Schlussfolgerung: Männer seien demnach nicht nur stärker, sondern könnten auch besser mit dem Druck umgehen. Dementsprechend gäbe es auch mehr Frauen in der Pâtisserie, „die haben den Druck nicht“.

Zeit für das Matriarchat?

Das Überraschende: Die Hochrechnung der Geschlechter-Vor- und Nachteile fällt am Ende zugunsten der Frauen aus. „Wir alle haben Stärken und Schwächen, aber Frauen haben in vielerlei Hinsicht mehr Qualitäten als Männer in der Küche“, resümiert White. Denn Geschmack sei das Wichtigste, an nächster Stelle komme die Hartnäckigkeit, Pünktlichkeit sei die Nummer drei. Und auch wenn Frauen am Freitagabend ausgehen würden, erschienen sie Samstagmorgen pünktlich zur Arbeit. „Männer neigen dazu, etwas zu weit zu gehen und sich dann krank anzumelden“, sagt der Fernsehkoch.

In den sozialen Medien jedenfalls finden Whites Aussagen jedenfalls keinen großen Anklang. „Der einzige wirkliche Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Küche ist, dass Männer sich nicht mit diesem ekelhaften, grundlosen, veralteten Scheiß jeden Tag abfinden müssen“, kommentiert etwa Neil Rankin („frontlinechef“) auf Instagram.

www.marcopierrewhite.co

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