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Bester Sommelier Österreichs ist Gerhard Retter

Der gebürtige Grazer konnte sich bei der nationalen Ausscheidung gegen die 11 Mitbewerber durchsetzen und wird Österreich bei der ASI-Weltmeisterschaft der Sommeliers in Chile 2010 vertreten.



Die Finalisten Andreas Jechsmayr, Jürgen Witschko, Vuljaj Ljubo, Gerhard Retter mit der Präsidentin des Österreichischen Sommelierverbandes Annemarie Foidl

„Wahrscheinlich hat mir meine Heimatstadt Glück gebracht“ strahlt der stolze Sieger nach dem anstrengenden Wettbewerb. Denn obwohl der 36jährige Gerhard Retter schon seit langem in Deutschland – und Anfang des Jahres den Betrieb seiner Schwiegereltern in Norddeutschland übernommen hat, natürlich schlägt sein Herz für Österreich und die Steiermark im Besondern. „Ich bin stolz darauf, meine Heimat bei der WM in Chile vertreten zu dürfen.

Den zweiten Platz beim Wettbewerb zum Besten Sommelier Österreichs erreichte Andreas Jechsmayer (Mörwald). Er wird sein Land bei der Europameisterschaft 2010 in Frankreich vertreten. „Ich habe jetzt fast ein Jahr Zeit mich darauf vorzubereiten.“ so der sympathische Jechsmayer (37) „Ich freue mich darauf in Frankreich zu zeigen, dass wir in Österreich zur Weltspitze gehören“

Tatsächlich wurde es den Teilnehmern bei der nationalen Entscheidung nicht leicht gemacht. „Wir wollten dem internationalen Anspruch gerecht werden“ sagte Annemarie Foidl, die Präsidentin des Österreichischen Sommelierverbandes, der diesen Wettbewerb ausgerichtet hat. „Nur wenn wir die höchsten Ansprüche an uns stellen, können wir auch gegen die internationale Konkurrenz bestehen.“

Das Halbfinale am 1. Oktober fand auf Schloss Piber bei Graz statt. Das Catering-Unternehmen Revita hatte dem Sommelierverband diese exklusiven Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. In einer schriftlichen Prüfung mussten die Kandidaten theoretische Fragen zu den Themen „Önologie“, „Ampelographie“, „Geographie“ und „Weingesetze der Welt“ beantworten. Allgemeine Getränkekunde gehörte ebenso zum abgefragten Wissen, wie Fragen zu den Themen Käse, Kaffe, Tee, Zigarren oder Bier. Der Sommelier, als Berater in Fragen des Genusses, muss sich heute in all diesen Fachgebieten auskennen. Für 46 Fragen hatte die Kandidaten 60 Minuten Zeit.
Im praktischen Teil galt es drei Weine blind zu verkosten, zu beschreiben und entsprechende Menüempfehlungen zusammen zustellen. Zeit dafür: 15 Minuten. Außerdem musste ein gereifter Champagner perfekt serviert werden.

Für das Finale am 2. Oktober ging es auf Messe Graz statt. Jeder der vier Endrunden-Kandiaten wurde einzeln auf die Bühne gebeten und musste zunächst vier Weine und sechs Destillate blind verkosten, dann zahlreiche Fehler in einer Weinkarte finden (vom Tippfehler bis zur falschen Regionen oder Jahrgängen). Im dritten Aufgabenblock galt es einem englisch sprechenden Gästepaar nicht nur die anspruchsvolle Speisekarte zu übersetzen, sondern natürlich die entsprechenden Weinempfehlungen auszusprechen. Dabei stellten die (gespielten) Gäste auch noch neugierige Fragen, die es kompetent und höflich zu beantworten galt. Die letzte Aufgabe: Aus einer Auswahl von etwa 30 Raritäten (alte und seltene Weine) diejenigen auszusuchen, die einen Weinkeller bereichern (also im Wert noch steigen werden). Obwohl alle vier Finalisten im Alltag Top-Profis sind, die Nervosität war Ihnen anzumerken. Die beiden Sieger Gerhard Retter und Andreas Jechsmayer konnten die Jury aber nicht nur durch ihr breites Fachwissen, sondern vor allem durch ihre charmante Art am Gast überzeugen.

Der Wettbewerb zum Besten Sommelier findet (wie die Weltmeisterschaft) alle drei Jahre statt. Beim letzen Wettbewerb zum Besten Sommelier Österreichs, (April 2006 in Feldkirch) wurde Gerhard Retter, damals Sommelier im Berliner „Adlon“ – Zweiter hinter dem Tiroler Aldo Sohm - übrigens mit nur einem Punkt Abstand.

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Alle Teilnehmer des Wettbewerbs (in alphabetischer Reihenfolge)
Silvia Beier, Arcotel Kaiserwasser
Patrick Eglauer, Fährhaus Sylt
Christa Fleschutz, Hotel Schwarzer Adler, St. Anton am Arlberg
Marco Franzelin, Hanner, Mayerling
Andreas Jechsmayr – Mörwald (2. Sieger)
Yvonne Juen, Niky’s Kuchlmasterei, Wien
Vuljaj Ljubo, Gesamtsteirische Vinothek, St. Anna/Aigen (Finalist)
Kathi Miska- Arcotel Kaiserwasser
Hannes Naurauter, Hangar 7- Restaurant
Gerhard Retter - Fischerklause Lütjensee (GER) (Sieger)
Roland Thiess - Übergossene Alm
Jürgen Witschko – Café & bar „witschi“, Bischofsstetten (Finalist)

Der Dachverband der Österreichischen Sommeliervereine (OeSOV)
Gegründet 1998 zur Sommelier-Weltmeisterschaft in Österreich ist der Dachverband das Bindeglied der derzeit acht Landes-Sommeliervereine in Österreich. Nachdem Siegfried Brudermann als Präsident zehn Jahre lang die Geschicke des Dachverbandes leitet, hat im Sommer 2008 Diplom-Sommeliere Annemarie Foidl das Amt der Präsidentin übernommen.

Der Dachverband hat die Aufgabe und das Ziel, die Interessen der Landesverbände und aller in ihnen zusammengefassten Sommeliers zu vertreten. Zudem soll er das Berufsbild „Sommelier“ in die Gastronomie und zum Endverbraucher hin stärken und fördern. Er strebt außerdem an, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für eine gehobene Tischkultur zu vertiefen und die Getränke – und Genusskultur in Gastronomie und Hotellerie zu fördern. Mehr Information unter www.sommliers.at

ASI
Die Association de la Sommelierie Internationale ist die Internationale Vereinigung der Sommelierverbände mit über 40 Mitgliedsländern. Mehr Information unter www.sommellerie-internationale.com

14.11.2015