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Fleisch per gerichtlicher Anordnung!

Bis zu einem Jahr Haft für italienische Eltern, die ihren Kindern nur Karotten, Kartoffeln und Kirschen vorsetzen … Das soll bald Realität sein!

Kind mit Karotte hinter Gittern

Kinder, Kinder, was ist das für ein Geschrei?

Dass Kinder ja mal gerne eine "Ich-esse-nur-mehr-das"-Phase haben, kennt vermutlich jeder, der mit einem Mini-Menschen an einem Tisch gesessen hat. Soweit so gut. Problematisch wird es aber, wenn die Eltern den Kindern ihre eigene Ernährungs-Philosophie auf den Gaumen drücken wollen. Was gelinde gesagt, aber höchst normal ist. 

Darin sieht die italienische Oppositionspartei Forza Italia aber ein gravierendes Problem. „Erwachsene können sich natürlich für vegane Ernährung entscheiden. Das Problem ist, wenn diese Diät Kindern aufgezwungen wird“, sagte die Parlamentarierin der Forza Italia, Elvira Savino. Sie sieht in den „gefährlichen Ernährungsweisen“, zu denen Eltern ihre Kinder zwingen, großen Handlungsbedarf. Besonders Kleinkinder sollen dabei geschützt werden, so die Rechtspopulisten. So soll die Strafe auf zwei Jahre wachsen, wenn es um Kinder unter drei Jahren geht.

Grund der Empörungswelle gegen vegane Ernährung ist ein Fall eines unterernährten Kleinkindes in Mailand: Die Eltern ernährten ihr Kind ausschließlich tierproduktfrei, nach 14 Monaten sahen die Großeltern dann Handlungsbedarf und brachten den Kleinen in ein Krankenhaus – das Kind wog zu dem Zeitpunkt gerade einmal fünf Kilogramm, was für ein etwa drei Monate altes Kind normal wäre. Der Bub musste am Herzen operiert werden. Die Tatsache, dass diese Unterernährung wegen Veganismus entstanden ist, ist aber nicht haltbar.

Die Hoffnung auf die echte Durchsetzung der Haftstrafe der Forza Italia dürfte aber ähnlichen Bestand haben, wie Hefebakterien über 60 Grad Celsius. Gerade einmal 70 Sitze vom 630 Parlamentssitzen hält die Partei, zudem ernähren sich nur fünf Prozent der Italiener vegetarisch, vegan ernähren sich gerade einmal ein Prozent.

Fleisch per Gerichtsbeschluss die Zweite

Italien dürfte anscheinend eine Vorreiterrolle in Sachen einklagbare Ernährung sein. Im vergangenen Jahr standen sich ein ehemaliges Ehepaar vor dem Kadi gegenüber. Die Mutter, eine Vegetarierin, klagte den Vater des gemeinsamen Kindes an. Denn: Dieser gäbe dem Sohn immer Fleisch und Milchprodukte zu essen an den Wochenenden, was in Bauchschmerzen resultieren würde. Der Vater meinte hingegen, dass Fleisch zum Großwerden wichtig sei.

So sah es das lombardische Gerichte auch und legte fest, dass bei der Mutter in Zukunft nun mindestens einmal die Woche Fleisch am Tisch landen muss, am Wochenende beim Vater hingegen aber höchstens zweimal.

06.07.2016