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Für die Bombenstimmung im Urlaub

Ferien, die das Bewusstsein nachhaltig prägen: Im War Hostel in Sarajevo können Urlaubsgäste die Kriegs-Atmosphäre hautnah erleben.

Fotos: Shutterstock

Zeitgeschichte spüren

Es ist das eine, tragische Ereignisse, die rund um unseren Globus passieren, in den Medien mitzuverfolgen, oder sich in medias res zu werfen und zeitgeschichtliche Geschehnisse am eigenen Körper zu erleben: zum Beispiel als Zivilist mitten in einem Kriegsgebiet. Letzteres bietet jetzt das War Hostel in Sarajevo.

Die Stadt Sarajevo war in den Jahren von 1992 bis 1995 eines der Kriegsschauplätze im Bosnien-Krieg und wurde von den serbischen Besatzern belagert. Die Einwohner der Stadt wissen nicht nur was es heißt, um das eigene Leben und das ihrer Familie und Freunde zu bangen, sondern auch wie es ist, ohne die uns selbstverständlich erscheinenden infrastrukturellen Einrichtungen wie Strom, Heizung und immer verfügbares Essen zu leben.

Durchschnittlich wurde Sarajevo täglich von 330 Bomben getroffen, knapp 12.000 Menschen ließen während des Krieges allein in dieser Stadt ihr Leben.

Diese einschneidenden Erlebnisse möchte das Konzept des War Hostels seinen Gästen in einer Lightversion näherbringen. Schließlich können Urlaubsgäste wieder abreisen, wenn sie genug von der Intensität des Geschehens haben.

Mit solchen Eindrücken kommt garantiert nicht jeder aus den Ferien zurück

Beim Einchecken wird man nicht von einem geschniegelten Rezeptionisten empfangen sondern vom Besitzer des Hostels in Splitterschutzweste und Helm. Statt komfortabler Zimmer erwartet die Gäste eine Schaumstoffmatratze, Armeedecken und eine an der Decke baumelnde, nackte Glühbirne, die von einer Autobatterie betrieben wird. Und als Geräuschkulisse dient nicht die fröhliche Gastroszene der Straßen Sarajevos sondern Bombenhagel vom Tonband – die ganze Nacht durch.

Des Nachts bietet das Hostel außerdem Rundgänge in den Räumlichkeiten mit Kerzen, bei denen die Gäste mittels Zeitungsartikel an den Wänden das tägliche Kriegsgeschehen im Sarajevo der 1990er-Jahre nachlesen können. Und in einem provisorischen Bunker berichtet der 25-jährige Hostel-Betreiber Arijan Kurbasic den Gästen von seinen Kindheitserinnerungen mitten im Kriegsgebiet.

Im Übernachtungspreis von 20 Euro pro Doppelzimmer und zehn Euro für einen Platz im Gruppenschlafsaal ist die Möglichkeit inbegriffen, sich Dokumentarfilme über die Belagerung anzuschauen.

Ob dieses Hotelkonzept in anderen ehemaligen Krisengebieten der Welt Nachahmer findet, wird sich weisen.

30.11.2016