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Roland Trettl verlässt den Hangar-7

Nach 10 Jahren, 115 Spitzenköchen und alleine drei Kochbüchern in diesem Jahr, sagt der charismatische Executive Chef: "Das war’s."




25.10.2013 Sein Job, der wohl herausfordernste der Szene. Seine Umsetzung sternegekrönt. Man muss Roland Trettl als Person nicht mögen – worauf er im Übrigen auch wenig gibt –, aber man muss sein Können, seine Energie und seinen Enthusiasmus schätzen, durch diese er in den letzten 10, fast 11 Jahren dem Gastkochprinzip Leben und Seele eingehaucht hat.

Doch nun ist es für ihn an der Zeit, dass sich was dreht. Roland Trettl, das kulinarische Aushängeschild des gesamten Bullenkonzerns, wird diese Akte schließen. In aller Freundschaft, ohne Zerwürfnis und ohne schlechten Nachgeschmack. Bis 2. Dezember heißt es noch Business as usual, was dann passiert bleibt offen – Der Nachfolger von Roland Trettl wird der dem Hangar-7 und dem Unternehmen wohl bekannte und geschätzte Martin Klein.

"Nein, Plan B gibt es noch keinen. Nach all den Gastköchen und irre interessanten Geschichten, die ich erleben durfte, muss nun eine Zeit kommen, die in der ich es mir erlauben darf, einmal wirklich zu reflektieren und zurückzublicken."

Denn in den letzten Jahren jonglierte Trettl mit mindestens vier Gastköchen und deren Gerichten gleichzeitig in seinem Kopf und am Herd, reiste durch alle Küchen dieser Welt. Doch auch Prioritäten dürfen sich verschieben, auch die eines Roland Trettls, und eine neue Größe dürfte an dem Wandel nicht ganz unbeteiligt sein: Vor einem Jahr kam sein Sohn auf die Welt.

Auf der Homepage ist zu lesen: "Roland Trettl gelingt es, diesen Druck bei seinem Team in Motivation zu verwandeln. Tag für Tag. Mittags wie abends. „Der genialste Job der Welt“, sagt er mit dem Anflug eines herausfordernden Lächelns um die Mundwinkel, während er inmitten seiner Köche Geflügel zubereitet. Zweifel an der Aufrichtigkeit der Aussage kommen dabei erst gar nicht auf."

Und ja, Zweifel daran sind nicht aufgekommen. Diesen Job liebte und liebt Roland Trettl. Aber nach zehn Jahren muss man sich auch fragen: "Was soll noch gehen?" Noch mehr Bücher im Jahr, noch mehr Gastköche, noch mehr Flugmeilen?

Nicht mehr für Roland Trettl, dem wir auf diesem Weg auch noch Folgendes sagen möchten:
DANKE für die letzten Jahre, DANKE für die geile Zeit.


www.hangar-7.com

Hier der offizielle Brief zum Abschied von Roland Trettl:

2. Dezember 2013: It´s time to say good bye...

Nach über 10 Jahren als Executive-Chef im Hangar-7, nach mehr als 120 Gastköchen, nach tausenden Gerichten und Gängen und nach Millionen von Flugkilometern ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen - und den Ikarus-Staffelstab an meinen langjährigen Wegbegleiter Martin Klein weiter zu reichen.

Als wäre es gestern geschehen, kann ich mich heute noch exakt an das tiefe Gefühl meines ersten Arbeitstages im Hangar-7 erinnern: Es war eine Mischung aus Stolz und Respekt.

Stolz darüber, in diesem großartigen architektonischen Ensemble ein weltweit einzigartiges kulinarisches Konzept umsetzen zu dürfen. Respekt wegen des Wissens, dass es für diese Aufgabe keine Vorbilder, keine Leitlinien gibt, und dass diese gewaltige Aufgabe nur durch eigene Standards definiert werden kann.

Ich verneige mich bis auf den heutigen Tag vor meinen großen Lehrherren Eckart Witzigmann in dem dankbaren Bewusstsein, dass er es war, der mich für diese Aufgabe ausersehen hat. Sein Vertrauen in mich berührt mich bis heute.

Und ich schulde Dietrich Mateschitz höchstmöglichen Dank und Respekt für seine bedingungslose Unterstützung auf dem Weg, seine Ikarus-Vision mit solch prallen Leben erfüllen zu dürfen. Ideen und Konzepte haben viele, eine solche Entschlossenheit und Beharrung nur die Wenigsten!

Ich verdanke Dietrich Mateschitz und seiner Vision einen weltweit einzigartig tiefen, ja intimen Einblick in die Küchen der namhaftesten Spitzenköche. Und ich verdanke diesen verehrten Kollegen, dass sie mir über elf Jahre hinweg ungeschminkten, nahezu selbstverleugnenden Einblick gewährten. Einblick in alles, was ihr Können ausmacht. Einblick in alles, was ihren überwältigenden Erfolg bedingte.

Ihre Hilfestellungen, ihre Unterstützungen, ihre Gerichte, Rezepte und Produkte stellten über ein Jahrzehnt hinweg einen Monat für Monat anwachsenden unermesslichen Schatz. Unermesslich, und doch gering im Vergleich zu den vielen tiefen Freundschaften, die ich weltweit schließen durfte.

Natürlich – und keiner weiß das besser als ich – gelingt ein solcher internationaler Gipfelsturm nur, wenn man sich um das Basislager keine Sorgen machen muss. Auch hier muss ich mich verneigen: Natürlich und als wichtigstes, vor unseren Gästen, viele von ihnen wurden zu Stammgästen - ein größeres Kompliment kann es bei diesem, auf ständigen Wechsel angelegten Konzept, nicht geben.

Verneigung aber ebenso vor meinen begabten wie belastbaren Kollegen in der Ikarus-Küche. Ihr profundes Können verbunden mit ihrem Wollen, sich Monat für Monat neuen und schwierigsten Anforderungen zu unterwerfen, stellen seit nun über zehn Jahren die unverzichtbare, alles tragende Säule dieses Konzeptes. Ihnen gilt mein dankbarer Respekt, ebenso wie dem hingabevollen Service im Restaurant und den herausragenden Kräften im Hangar-7. Sie alle werde ich ebenso vermissen wie ich mir sicher sein kann, dass ein Martin Klein um ihre, eure Klasse weiß.

Mit der festen Überzeugung, dass das Ikarus-Gastkoch-Konzept im Hangar-7 eine einzigartige Erfolgsgeschichte ist, mache ich mich frohgemut auf, mit Blick auf neue Aufgaben und Ziele.

Mögen sich dabei unsere Wege immer wieder kreuzen....

Ihr/Euer dankbarer Roland Trettl

14.11.2015