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Scharfe Kritik an Guide Michelin

Juror Gilles Pudlowski untergräbt die Autorität des französischen Guides.


Die höchste aller Auszeichnungen in der Welt der Gastronomie hat in letzter Zeit einiges an Glanz verloren – zumindest wenn man den Meldungen vorwiegend französischer Medien Glauben schenkt.

Zum zweiten Mal in Serie ist etwa die streng geheime Liste jener Restaurants, die sich über die begehrten Sterne freuen dürfen, an die Öffentlichkeit gelangt und das eine Woche vor der offiziellen Veröffentlichung des Guide Michelin – ein faux pas erster Güte. Doch damit nicht genug: Derjenige, der die Liste in Umlauf brachte, ist kein geringerer als Gilles Pudlowski, seines Zeichens französischer Restaurantkritiker und Michelin-Juror, der die Institution scharf für deren Bevorzugung vorwiegend junger Köche kritisiert.

Damit hat Pudlowski in ein Wespennest gestochen, denn auch andere Kritiker und Köche meldeten sich zu Wort und prangerten etwa an, dass Michelin aufkommende kulinarische Trends, etwa in London, Japan und New York, der französischen Küche gegenüber bevorzuge.

Daneben zeichnet sich zudem ein Trend ab: Immer mehr Köche scheint es wenig zu kümmern, ob sie mit ihrem Restaurant im Guide aufscheinen, wie der Daily Telegraph schreibt: „Während manche Köche schlicht um eine Möglichkeit bitten, ihre Sterne zurückzugewinnen oder verzweifeln, weil sie nicht im Guide aufscheinen, ignorieren andere das ganz einfach.“ Einer davon ist etwa Marco Pierre White, der ebenfalls die Bedeutung des Guide Michelin in Frage stellt: „Als ich ein Kind war, war ein Michelin Stern so etwas wie ein Oscar. Heute schmeißen sie mit Sternen um sich wie mit Konfetti. Was bedeutet Michelin noch? Nicht viel. Ich glaube nicht, dass Michelin versteht, was sie sich selbst antun.“

In einem Interview mit dem britischen Guardian sehnt sich Gille Pudlowski nach einer Zeit, in der der Sachverstand der Direktoren des Guide Michelin unangefochten war und stellt eine Frage in den Raum: „Finden sich keine Franzosen, die den Guide leiten können?“ Denn die französische Institution befindet sich fest in internationaler Hand: Leiter des Guide Michelin ist der Amerikaner Michael Ellis; seine Stellvertreterin, Juliane Casper, stammt aus Deutschland. Ellis hat bereits betont, junge Köche in den Mittelpunkt zu stellen. „Das ist ja ansich nicht falsch“, meint Pudlowski, „Aber ist das ein Grund, auf erfahrene, unangefochtene Köche zu vergessen?“ Zu guter Letzt verrät Pudlowski noch, dass es eher das Management des Guide Michelin ist, das über die Vergabe der Sterne entscheidet und weniger die Restaurantkritiker.

www.michelintravel.com

14.11.2015