Schneller heißt nicht besser: Wie Hektik beim Recruiting die Fluktuation befeuert

In ­„HR unplugged“ verrät Jürgen Pichler die besten Tipps und Strategien für mehr Recruitingerfolg.
März 5, 2026 | Text: Jürgen Pichler | Fotos: Shutterstock

Ein Koch fehlt, zwei Servicekräfte sind weg, ein Saisonpeak steht vor der Tür. Kurz: Der Druck ist groß. Also schnell inserieren, rasch entscheiden, Hauptsache jemand fängt an.

Dieses „Hire fast“-Prinzip ist in der Gastronomie längst Alltag geworden. Gerade in Zeiten, in denen Arbeitskräfte eben nicht wie Sand am Meer vorhanden sind. Verständlich also. Aber gefährlich ebenso. Denn wer beim Recruiting aufs Tempo drückt, zahlt oft später doppelt: mit Frust im Team, Qualitätsverlust für den Gast und erneuter Personalsuche nach wenigen Wochen.

Denn Recruiting ist kein Feuerlöscher, sondern ein langfristiges Instrument, das konsequent bespielt sein will. Trotzdem behandeln viele Betriebe es wie ein lästiges Anhängsel. Stellen­anzeigen werden hastig formuliert, Gespräche zwischen Tür und Angel geführt, Erwartungen kaum abgeglichen.

Hauptsache, der Dienstplan steht wieder. Nur: Menschen, die unter solchen Umständen einsteigen, bleiben selten lange. Nicht, weil sie unmotiviert wären, sondern weil das Gesamtbild nie sauber geklärt wurde. Der größte blinde Fleck dabei ist somit das Onboarding.

In vielen Häusern endet Recruiting de facto mit der Vertragsunterschrift. Dabei ist das der Moment, in dem sich die To-dos als Arbeitgeber bloß teilen: Auf der einen Seite gilt es, den neuen Kollegen möglichst gut, sicher und sinnstiftend in den Betrieb zu integrieren.

Auf der anderen Seite heißt es, die Suche auf diversen Plattformen konsequent und akribisch weiterzuführen. Ja, auch wenn wir in diesem Moment vielleicht gar keine Stelle mehr zu besetzen haben. Flatrate-Abos auf den einschlägigen Plattformen sind die erklärte Zauberformel, um eben unnötige Hektik am Anfang des Hiring-Prozesses zu vermeiden; um vorzubeugen!

Ein weiteres Problem: Geschwindigkeit verführt dazu, kulturellen Fit zu ignorieren. Kann jemand drei Teller tragen? Hat sie Erfahrung am Pass? Passt schon!

Doch Gastronomie ist Team­arbeit unter Druck. Wenn Werte, Kommunikationsstil oder Anspruchsniveau nicht zusammenpassen, hilft auch die höchste Kompetenz wenig. Konflikte entstehen schneller, die Stimmung kippt – und plötzlich kündigt nicht nur der Neuzugang, sondern vielleicht gleich noch jemand aus dem Stammpersonal.

Natürlich braucht die Branche Tempo. Aber Tempo ohne Struktur ist Hektik. Erfolgreiche Betriebe investieren deshalb bewusst Zeit vor der Einstellung: klare Rollenprofile, ehrliche Gespräche über die Arbeitsrealität, transparente Erwartungen auf beiden Seiten. Das verlängert den Recruiting-Prozess minimal – sorgt aber für Stabilität. Im Team und somit bei den Gästen.

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