Berliner Reinkult(ur)

Wenn sich ein begnadeter Food-Stylist und ein Profi-Networker zusammentun und dabei selbst vom immensen Erfolg überrascht werden.
November 13, 2015

Foto: Thomas Wussler, René Riss
Sebastian Wussler und Miles Watson

Was macht wohl jemand hauptberuflich, der als Hobby eine Facebookseite für Köche mit über 18.000 Fans betreut? Vor allem, wenn dieser Jemand in Berlin auf einen kulinarischen Seelenverwandten in Person eines neuseeländischen Foodstylisten trifft? Ganz klar eigentlich: Sie starten gemeinsam ein noch nie dagewesenes Projekt. Eines von der Sorte, das von derart bestechender Einfachheit und Genialität ist, dass man sich unweigerlich fragen muss, warum man nicht selbst schon darauf gekommen ist. Der Name des Anfang 2012 aus der Taufe gehobenen Kindes? Pure-Berlin. Eine Kombination von allem, was Miles Watson und Sebastian Wussler, so heißen die zwei Kreativköppe nämlich, cool finden.

Im Detail sind das richtig abgefahrene Food-Kreationen, tolle Pics, Reisen, Networking und die Dokumentation davon auf gleich mehreren Kanälen im Web. Doch mit alledem verfolgen der gebürtige Schwarzwälder Wussler und sein neuseeländischer Geschäftspartner Watson eine klar definierte Vision: „Wir wollen die Großartigkeit der deutschen Küche und deren Produkte weltweit bekannt machen.“ Und dass das am allerbesten funktioniert, wenn man höchstpersönlich bei den innovativsten Köchen der globalen Szene anklopft und mit heimischen Produkten state-of-art-mäßig aufkocht, brauchte den beiden auch niemand zu sagen.

Ein ausgebuffter Plan

So touren Food-Lover Wussler, PR- und Marketingexperte des Gespanns, sowie Food-Profi Watson, Küchenchef und Food-Designer von Pure-Berlin, derzeit um den Globus. Sie rekrutieren bereits jetzt, bevor sie ihr Restaurant, das Studio 21, überhaupt eröffnen, die Gastköche, die dem Publikum ab Frühjahr 2013 die volle Kreativladung in Berlin verpassen sollen. Als Auswärtsspiel und Heimspiel betitelt Sebastian Wussler diese Kooperationen. Es wird sich zeigen, ob Deutschland vielleicht als kulinarischer Weltmeister am Ball bleibt. 2012 stehen auf jeden Fall insgesamt zwölf Auswärtsspiele an, wobei für Wussler und Watson der Vernetzungs-gedanke als Botschafter der deutschen Küche im Vordergrund steht. Und dass vor allem Sebastian Wussler genau weiß, wie das mit dem Vernetzen funktioniert, steht außer Frage.

Denn der heute 26-Jährige gründete vor drei Jahren die Online-Plattform Chefs Talk, auf der sich ideenreiche Koch-Köpfe heute weltweit austauschen und ihre liebsten Gerichte posten, um sich umgekehrt wieder von anderen inspirieren zu lassen. Die Zahlen sprechen für sich: 18.032 Fans auf Facebook. Die Kontakte für die World Tour der beiden entstammen großteils der Plattform Chefs Talk und die Leberwurst, die als deutscher Donut bereits in den USA für Furore sorgte, kommt direkt von Familie Wusslers Fleischerei- und Gastronomiebetrieb.

Bisher konnten Wussler und Watson die kulinarische Mission von Pure-Berlin im Restaurant Chef & Sommelier in Helsinki, im Restaurant iNG von Chicagos Kulinarik-Vorreiter Homaro Cantu sowie bei Dominique Crenn im Sternerestaurant Atelier Crenn in San Francisco erfolgreich realisieren. Das deutsche Netzwerk-Wunder erfährt hier aber selbstverständlich noch lange kein Ende. Wussler: „Von jedem Betrieb nehmen wir neue Impressionen und Ideen mit.“ Bei Homaro Cantu und Nate Park, Executive Chef des Restaurants iNG, verliebten sich die beiden beispielsweise in den Anti-Griddle. „Das ist sozusagen eine umgepolte Herdplatte. Sie gefriert in Minuten, anstatt zu erwärmen.“ Und prompt agieren sie zusätzlich als Importeure in Deutschland für den Eiskalt-Ofen aus Illinois.

Bis Pure-Berlin mit dem Studio 21 in Berlin sesshaft wird, werden noch neun Genuss-Schmieden und deren Chefköche in Stockholm, Amsterdam, Brüssel, London, Paris, Singapur, Hongkong, Shanghai und New York besucht. Nächster Stopp: das Restaurant 2am:lab in Singapur von Kreativ-Köchin Janice Wong. „Und dann drehen wir in Berlin richtig auf“, freut sich Wussler. Denn dass auch das Restaurantkonzept
wenig klassisch ausfallen wird, dürfte klar sein.

Wer Deutschland hört, denkt an Autos. Wir rücken die Küche ins Rampenlicht.
Sebastian Wussler über die Philosophie von Pure-Berlin

 

Berliner Thinktank

Maximal 20 Gäste werden an einem einzigen großen Tisch im Studio 21 Platz finden. Der Austausch unter Food-Lovern, Kochlöffel-Akrobaten und Ideen-Sprudlern anderer Branchen soll im Restaurant in die Verlängerung gehen. Angeboten wird ausschließlich ein sogenanntes Beta-Test-Menü, also ein Menü, das durch das Feedback der Gäste von Mal zu Mal weiter ausgefeilt wird. „Unser Ziel ist es, auch eigenständige Mikro-Brauereien und deutsche Weingüter mit an Bord zu holen. Studio 21 soll zur Keimzelle der besten deutschen modernen Küche werden“, so Wussler.

1912 Fans haben bei Redaktionsschluss von ROLLING PIN auf Facebook bereits ein „gefällt mir“ für das Projekt vergeben. Wenn man jetzt einmal annimmt, dass jeder dieser Liker sich auch nur einmal im Studio 21 inspirieren lässt, so ist das Restaurant bereits auf 90 Tage ausgebucht. Und nachdem bereits Wusslers Hobby über 18.000 Fans brachte, bleibt abzuwarten, was passiert, wenn ein Team wie Pure-Berlin hauptberuflich durchstartet.

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Pure-Berlin auf Worldtour

Um das Image der deutschen Küche und deren Produkte international anzukurbeln, haben Sebastian Wussler und Miles Watson Pure-Berlin gegründet. Während der Worldtour wird in zwölf sogenannten Auswärtsspielen in Top-Restaurants in Asien, Amerika und Europa gemeinsam mit den Chefköchen ein Fusionsmenü aus hiesiger Cuisine und neuinterpretierten deutschen Klassikern bereitet.

Studio 21: die Rückspiele

Eröffnet wird im Frühjahr 2013. Das Studio 21 soll nebst Restaurant mit 20 Sitzplätzen auf einem einzigen Tisch und Location für die Rückspiele der Worldtour auch zum Thinktank und zur Networking-Keimzelle der deutschen Kreativ-Koch-Szene avancieren.
www.pure-berlin.com

Eindrücke vom Pure-Berlin

1 Winning Team: die Gründer von Pure-Berlin Sebastian Wussler und Miles Watson
2+4+5 Pure goes nordic: Der Auftakt zur Worldtour fand im Restaurant Chef & Sommelier in Helsinki statt. Zum Showdown kam es beim elfgängigen Tasting-Menü aus deutscher und finnischer Küche 
3 Friscos best: Das Team des Atelier Crenn in San Francisco. Mittendrin: Pure-Berlin 
6 Next stop, Chicago: Flavourtripp(iNG) der Extraklasse gab es in Homaro Cantus Restaurant iNG.

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